JAZZDas Label ACT feiert 20. Geburtstag : Mit Körper und Seele

Für ein deutsches Jazzlabel sind 20 international erfolgreiche Jahre ein biblisches Alter. Siegfried E. Lochs ACT aber, 1992 mit mehr Passion als Geld gegründet, hat trotz schwindender CD-Märkte gute Chancen, diese Zeit zu verdoppeln und jenem nationalen Rekord nachzueifern, den die zwei anderen Münchner Methusaleme von Weltrang, ECM und Enja, halten. MPS oder FMP sind dagegen auf der Strecke geblieben. ACT, so zeigte sich früh, hatte Großes vor – und das bei Vince Mendozas „Jazzpaña“ oder Michael Gibbs’ „Europeana“-Suite mit Joachim Kühn, Klaus Doldinger und Albert Mangelsdorff gerne in großer Besetzung.

Doch erst als Loch 1995 den Gitarristen Nguyên Lê exklusiv an sich band, begann die unverwechselbare Phase. Auf Lê folgte der – mittlerweile auch singende – schwedische Posaunist Nils Landgren (Foto), der Loch wiederum zu einer Vielzahl junger Skandinavier verhalf. Bei allem Bemühen, auch jazzungewohnte Ohren nicht zu beleidigen, hat ACT nie nur auf moderne Konfektion gesetzt. Insbesondere bei Pianisten tat Loch einen Glücksgriff nach dem anderen. Er hat Michael Wollny (siehe Titelbild) entdeckt, Eric Watson produziert, Yaron Herman und Vijay Iyer – und mit Leszek Mozdzer Polens größten Star gewonnen. Bei der ACT Jubilee Night im Kammermusiksaal wird nun gefeiert: mit Landgren, Wollny, Lê und Mozdzer, sowie Cæcilie Norby, Lars Danielsson, Wolfgang Haffner, Verneri Pohjola und Céline Bonacina. Ergänzend gibt es eine Reihe im A Trane. Nur der berühmteste ACT-Musiker, der schwedische Pianist Esbjörn Svensson, wir leider fehlen: Er kam 2008 bei einem Tauchunfall ums Leben. Gregor Dotzauer

Kammermusiksaal, Do 2.2., 20 Uhr, 25-38 €,

A Trane, Di-Sa 7.2.-11.2., jeweils 22 Uhr

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