JAZZFEST BERLINSchwerpunkt Polen : Fliegende Hämmer

Fünf, sechs Takte – und man erkennt ihn blind. Leszek Mozdzer hat einen Glockenton, der ihn von allen anderen romantisch gefärbten Jazzpianisten unterscheidet. Er sagt ganz einfach: „Die Philosophie meines Spiels liegt nicht darin, die Tasten eines Flügels zu drücken, sondern die Hämmer in die Luft zu werfen.“ Mozdzer ist mit seinen 40 Jahren zu jung, um noch mit Polens Jazzheiligem, dem 1969 mit 37 Jahren verstorbenen Pianisten Krzysztof Komeda gespielt zu haben. Aber im Lauf der 20 Jazzjahre und rund 100 Platten, die hinter ihm liegen, hat der klassisch ausgebildete Musiker mit so ziemlich jedem Überlebenden gearbeitet, dessen Wege sich irgendwann mit denen von Komeda kreuzten. Mit dem Soloalbum „Komeda“ (ACT Records) hat er ihm nun öffentlich Tribut gezollt.

Die überschaubare Szene, der Komedas international berühmteste Mitstreiter, der Trompeter Tomasz Stanko oder der Altsaxofonist Zbigniew Namyslowski angehörten, ist untergegangen. Doch in dem medial explodierten Feld, in dem Mozdzer als bester Pianist seiner Generation und Nachfahr Komedas gehandelt wird, sind viele ihrer damaligen Protagonisten noch quicklebendig. Und mit einem Tenorsaxofonisten wie dem Komeda ebenfalls verpflichteten Adam Pieronczyk sind neue dazu gekommen. Beim Jazzfest Berlin (2.-6.11.), kann man am Hauptspielort, dem Haus der Berliner Festspiele, am Donnerstagabend Pieronczyk, Mozdzer und Stanko erleben. Weitere Höhepunkte sind am Sonntag die Konzerte des Tenorsaxofonisten Charles Lloyd und der griechischen Sängerin Maria Farantouri (15 Uhr) und des Quintetts von Steve Swallow mit dessen Frau Carla Bley (20 Uhr). Gregor Dotzauer

Haus der Berliner Festspiele, Do 3.11., 19 Uhr, 10-45 €, Infos: www.berlinerfestspiele.de

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