Zeitung Heute : Je eher, desto billiger

Günstige Tarife gibt’s meist nur für frühe Buchungen

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Billig fliegen will gelernt sein. Wer zu spät kommt, den bestraft die Airline. Anders als im Ferienfluggeschäft, wo unverkaufte Restplätze als LastMinute-Angebote auf den Markt geworfen werden, gibt es die Schnäppchenpreise bei den Low-Cost-Airlines nur für Frühbucher. Weil das für viele deutsche Passagiere noch gewöhnungsbedürftig ist, hat die britische Easyjet, die seit diesem Frühjahr von Schönefeld aus gegen die Tegeler Platzhirsche Air Berlin und Germania Express antritt, eine Plakatkampagne gestartet, bei der „Ach verflixt“ zu den gesittetsten Schlagzeilen zählt. Im Kleingedruckten heißt es dann „früher buchen statt später ärgern“.

Genau hier liegt der entscheidende Punkt. Wer heute liest, dass er für 29 Euro nach Zürich oder Wien düsen kann oder durch Werbeangebote wie London zum Nulltarif – nur 20,50 Euro Steuern und Gebühren – angelockt wird und morgen starten will, muss oft ein Vielfaches für den Trip zahlen. Der Test in der vergangenen Woche für die Rennstrecke nach London zeigte es: Der Frühflug am 11. Juni ab Berlin und der Rückflug am Abend des 13. Juni nach Schönefeld kosteten bei Easyjet zusammen 179,99 Euro. Ryanair verlangte 196,37 Euro und bei Air Berlin wären sogar 288 Euro zu zahlen gewesen, mehr als bei British Airways, die 279,30 Euro verlangten.

Die Preise der Billig-Airlines richten sich nach Angebot und Nachfrage. Wer in den Genuss der publizierten Niedrigstpreise kommen will, sollte seine Flüge mindestens zwei Monate vor dem geplanten Reisebeginn buchen. Für einen Kurztrip vom 11. bis 12. August nach London bot Easyjet den Hinflug bereits für 2,99, den Rückflug für 9 Euro an, was sich allerdings mit Steuern, Gebühren und 6,50 Euro Kreditkartengebühr auf einen Endpreis von 51,99 summierte. Ryanair wollte für den Hinflug sogar nur 99 Cent haben und offerierte den Rückflug für 9,99, Endpreis mit Steuern und Gebühren 47,37 Euro. Air Berlin lag mit 168 Euro erheblich höher.

Wer dann noch so flexibel ist, den Termin auch ein oder zwei Tage vorzuverlegen oder zu verschieben, hat reelle Chancen, in beide Flugrichtungen den günstigsten Tarif zu bekommen. Preisvergleiche lohnen sich auch mit den häufigen Sonderangeboten der klassischen Airlines, die oft ohne Vorausbuchungsfristen zu haben sind und durchaus unter den Angeboten der Billigflieger liegen können.

Tarifsicherheit bietet als Ausnahme unter den Billigfliegern Germania Express. Die Airline verzichtet auf eine Staffelung und bietet alle Plätze zu Festpreisen, die je nach Route zwischen 77 und 121 Euro für den einfachen Flug liegen. du-

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