Jeans : Der blaue Bazar

An der Bread & Butter kommt niemand mehr vorbei, der einem Publikum aus aller Welt Jeans präsentieren will. Romy Uebel hat mit Modemachern gesprochen, die ihre Marke zum ersten Mal in Berlin vorstellen.

Romy Uebel

Berlins Taxifahrer erleben derzeit Tage mit Silvesterumsätzen. Anders als etwa die Besucher der Grünen Woche, gibt der klassische Fashion-Week-Besucher gern Geld für einen persönlichen, ortskundigen Chauffeur aus und für ein Hotel mit sanftem Ruhekissen, ein Gourmetessen – und natürlich Klamotten.

An Berlin kommt zurzeit keiner vorbei, der wenigstens weiß, dass mit FW 2010/2011 die Herbst/Winter-Kollektionen bezeichnet werden, die jetzt in Berlin präsentiert werden. Auf den Messen Bread & Butter, Premium, JAM und 5 Elements werden Standmieten von bis zu 400 Euro pro Quadratmeter aufgerufen, dazu kommen Reise- und Hotelkosten – auch kleine Unternehmen kostet das schnell so viel wie ein Pkw. Den Gegenwert zu einer ganzen Wagenflotte lassen sich manche großen Aussteller, die mit über hundert Mitarbeitern anreisen, ihre Präsenz inklusive Geschäftsessen und Partys kosten. Hinzu kommen für Gäste aus Übersee und Asien lange Anreisewege.

Zu lohnen scheint sich der Aufwand allemal. Wie in kaum einer anderen Branche wird Globalisierung in der Modeindustrie jeden Tag gelebt, persönlich dabei zu sein ist wichtig, wenn sich Trends, aber auch die Erschließung neuer Märkte in rasantem Tempo entwickeln. Zur Heimkehrveranstaltung der Bread & Butter im vergangenen Juli konnten allein in Tempelhof Gäste aus mehr als 100 Ländern begrüßt werden; es kommen immer mehr Aussteller aus immer mehr Ländern in die Hauptstadt.

Neben Labels aus Italien, Großbritannien, Benelux, Frankreich, Skandinavien und Spanien präsentieren sich Marken aus Ländern, die im Jeansgeschäft noch nicht weltweit vertreten sind. Auf der Bread & Butter haben wir Marken aus Südkorea, Finnland, Norwegen, Australien und Serbien befragt, was sie nach Berlin zieht.

NICK UND LUCY ENNIS, NIQUE Melbourne, Australien

Im Moment kämpfen wir mit dem Temperaturunterschied von fast 50 Grad. Wir waren zum ersten Mal im letzten Sommer hier, die Akzeptanz war überwältigend. Die Standgebühren, die Reise, die Hotels – klar, das ist teuer, aber gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass hier alle wichtigen Pressevertreter, Einkäufer und Marken zusammenkommen. Auf der letzten Bread & Butter wurde uns klar, dass wir international gefragt sind. Die Messe ist gigantisch und toll organisiert. Die Stadt an sich ist Melbourne nicht unähnlich: Viel Kultur, tolle Bars und Restaurants, der Mix aus Kreativität, Energie und Rebellion gefällt uns. Wir spielen mit dem Gedanken, hier einen Shop zu eröffnen.

PIIA KETO UND MARJO KUUSINEN, KAKSITVÅ Helsinki, Finnland

Nach Präsentationen in Kopenhagen und Paris stellen wir das erste Mal in Berlin aus und sind sehr gespannt. In Finnland haben wir eine feste Fangemeinde; bislang verkaufen wir in acht Ländern, hauptsächlich in Skandinavien, und wollen hier Shops aus anderen Teilen der Welt von unserer verrückten, coolen Streetwear-Kollektion überzeugen. Wir sind mit sieben Leuten angereist und hoffen, dass sich der Aufwand lohnt. Uns ist aufgefallen, dass Berlin sehr viel farbenfroher und modemutiger ist als Helsinki. Schon wegen der Temperaturen sehen wir ja meist aus wie Mumien. Neben dem professionellen Part geht es uns darum, spannende Leute kennenzulernen und ein bisschen zu feiern. Für die gute Laune und gegen die Kälte haben wir unseren finnischen Wodka mitgebracht.

SEMYUNG KIM, LIFUL Seoul, Südkorea

Wir zeigen nun zum ersten Mal auf einer internationalen Messe und bleiben zehn Tage in Berlin. Die Bread & Butter ist die beste Plattform, um Kunden auf der ganzen Welt zu erreichen, das rechtfertigt Kosten und Aufwand. Wir möchten Shops finden, die unsere Streetfashion verstehen und ein ähnliches Gespür für den Trend zu schlichterer Kleidung teilen. Zu Hause in Seoul sind wir sehr bekannt, dort ist gerade eine starke Tendenz hin zu reduzierten Outdoor-Looks zu verzeichnen.

TEAM VON CHILLNORWAY Oslo, Norwegen

Die Bread & Butter genießt einen hervorragenden Ruf, deshalb haben wir uns entschieden, die Messe als Plattform für unseren internationalen Durchbruch auszuprobieren. Bislang verkaufen wir hauptsächlich in Norwegen, einem Markt, der sehr jung und überschaubar ist. Unsere Landsleute kaufen immer mehr heimische Produkte, deshalb wachsen wir sehr schnell. In erster Linie geht es uns darum, nun ein globales Feedback zu unserer Kollektion zu bekommen und neue Shops zu finden. Chillnorway steht für einen Mix aus Fashion, Sport- und Freizeitkleidung – das könnte gut zum deutschen Markt passen. Wir sind zum ersten Mal hier und gespannt, ob es stimmt, dass hier viele Trends gemacht werden.

MILOS IVKOVIC Belgrad, Serbien

Nach Düsseldorf und Amsterdam zeigen wir nun erstmals auf der Bread & Butter. Wir sind davon überzeugt, dass sich dadurch ein nachhaltiger Erfolg für Ivko und unsere Kunden einstellen wird. Berlin war eine der ersten Adressen für Mode und wurde durch die Rückkehr der Bread & Butter und der parallel stattfindenden Modemessen und Schauen ein noch größerer Magnet für das internationale Fashionbusiness. Aktuell spielen die Zulieferer eine immer größere Rolle im serbischen Textilexport. Viele internationale Firmen bauen Produktionen in Serbien auf. Die Industrie hat im Moment wie überall sonst auf der Welt zu kämpfen. Trotz allem war die Textilindustrie in den ersten sieben Monaten im Jahr 2009 die führende Exportindustrie.

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