Zeitung Heute : Jede Menge Spitzenleute

Jetzt wird gefeiert: 12 018 Abiturienten haben in Berlin ihr Abitur geschafft. Die Pleite von Easy Abi steckt allerdings manchen noch in den Knochen

Der Betrugsskandal um Abitur-Bälle in Berlin und Brandenburg konnte Schülerinnen und Schülern 2011 nicht wirklich die Laune verderben. Sie halfen sich kurzerhand selbst. Foto: Maurizio Gambarini dpa/lbn
Der Betrugsskandal um Abitur-Bälle in Berlin und Brandenburg konnte Schülerinnen und Schülern 2011 nicht wirklich die Laune...Foto: dpa

Die Schufterei hat ein Ende, aber die Feierei noch lange nicht – 12 018 Berliner Abiturienten haben in diesen Tagen nichts Anderes zu tun, als sich zu freuen. Mit zum Teil grandiosen Noten haben sie ihre 13-jährige Schulzeit beendet und gehören damit zu einer aussterbenden Art: Es war der vorletzte Jahrgang, der noch 13 Jahre für das Abitur Zeit hatte. Schon im kommenden Jahr hört die Gemütlichkeit auf, wenn die letzten „13-jährigen“ Abiturienten mit den neuen Turbo-Schülern im so genannten Doppeljahrgang um die Studien- und Ausbildungsplätze konkurrieren müssen.

Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt geht es erstmal um das Abitur 2011, und das sah gut aus! Im Schnitt erreichten die Berliner eine Note von 2,4, und es gab sogar Schüler, die rein rechnerisch bei einer 0,8 gelandet sind, weil sie in mehreren Fächern eine „Eins plus“ schafften. Die beeindruckende Zahl von 161 Abiturienten konnten eine 1,0 nach Hause tragen. Mit der 1,1 waren es auch immerhin 102.

Wie man so etwas schafft? Das kann zum Beispiel Nina Nedkow erzählen. „Mir ist das Lernen immer leicht gefallen“, sagt die Pankowerin. Aber das ist natürlich nicht alles. „Ich hatte einfach großes Interesse und fand es immer schön, wenn da eine Eins statt einer Zwei stand“. Dabei war es keineswegs so, dass ihre Eltern sie von morgens bis abends angeleitet hätten. „Meine Eltern haben immer viel gearbeitet. Von ihnen habe ich gelernt, dass man für seinen Erfolg etwas tun muss“, sagt die 18-Jährige im Rückblick. Ihr Vater, der aus Bulgarien stammt, war immer viel weg, weil er ein kleines Restaurant in Pankow betreibt, und auch die Mutter ist voll berufstätig.

Nina hat aber nicht „nur“ eine 1,0 erreicht, sondern auch noch in allen fünf Abiturprüfungen – eine „Eins plus“ geschafft. „Das habe ich unter unseren 2000 Abiturienten seit 1991 noch nie erlebt“, schwärmt Ralf Treptow, der Leiter von Ninas Rosa-Luxemburg-Gymnasium.

Erstaunliche Ergebnisse gab es aber auch an vielen anderen Schulen. Egal ob die 14 beruflichen Gymnasien, die 41 Gesamtschulen, die sieben Kollegs und Abendschulen oder eben die 109 herkömmlichen Gymnasien – überall gab es wieder Spitzenschüler. Nur 550 Abiturienten müssen das letzte Jahr wiederholen, weil sie letztlich doch nicht genug Punkte zusammenbekommen haben.

Einigen Tausend Abiturienten ist die Lust am Feiern aber aus einem anderen Grund vergangen: Sie gehörten zu den Pechvögeln, die ihr Geld an die Betreiber von „Easy Abi“ verloren haben. Einige Familien haben hunderte Euro eingebüßt. Es gab traurige Geschichten wie die vom Britzer Albert-Einstein-Gymnasium, das auf einen Club in Hellersdorf ausweichen musste, weil Easy Abi das von den Schülern eingezahlte Geld nicht an das ursprünglich gebuchte Hotel weitergeleitet hat. Nur wenigen gelang es, mit Hilfe von Sponsoren den Verlust völlig wettzumachen, wie es das Rosa-Luxemburg-Gymnasium geschafft hat. Insgesamt 41 Schulen in Berlin und Brandenburg zählt die Polizei zu den geschädigten. Es geht um mindestens 700 000 Euro. Dennoch: gefeiert wird das Abi 2011 jetzt überall – irgendwie und irgendwo.

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