Zeitung Heute : Jedem sein Gewehr

Immer wieder diskutieren die USA über schärfere Waffengesetze – kaum etwas geschieht

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Während die Jagd auf den Serienmörder von Washington weitergeht, wird in den USA – wieder einmal – darüber debattiert, ob das Land strengere Schusswaffenkontrollen braucht oder nicht. Im Mittelpunkt steht dabei die Einführung des „ballistischen Fingerabdrucks“. Von jeder Waffe würde dann vor dem Verkauf eine Patrone abgefeuert und bei einer zentralen Behörde hinterlegt. Wenn bei einem Verbrechen ein Projektil entdeckt wird, könnte man durch einen Vergleich zwischen der Tatkugel und der Referenzkugel den Käufer der Waffe ermitteln. Zwei Drittel der Amerikaner befürworten einer Umfrage der ABC News zufolge dieses Verfahren, das bisher nur in den Bundesstaaten New York und Maryland existiert. Präsident Bush hegt aber Zweifel an der Genauigkeit der Technik und befürchtet Eingriffe in die Privatsphäre von Waffenbesitzern. Nun will er erst einmal eine Studie anfertigen lassen, die das Für und Wider des „ballistischen Fingerabdrucks“ überprüfen soll.

Rund 200 Millionen Pistolen und Gewehre befinden sich Schätzungen zufolge in amerikanischem Privatbesitz. Etwa jeder vierte USBürger besitzt eine oder mehrere Schusswaffen. Das Recht auf privaten Waffenbesitz ist in der US-Verfassung verankert und Teil der amerikanischen Identität. Die Waffenlobbyisten der National Rifle Association (NRA) verfügen über beträchtlichen Einfluss. Waffengegner unter Politikern nähern sich dieser „heiligen Kuh“ nur mit großer Vorsicht, denn die Lobbyisten verstehen es, Befürworter von schärferen Kontrollen im Wahlkampf hart zu bedrängen. Zwei Wochen vor den Kongresswahlen am 5. November halten sich daher die Demokraten, die vor zwei Jahren mit einer Anti-Waffen-Kampagne Schiffbruch erlitten, bedeckt. Eine Verschärfung von Waffengesetzen kommt – wenn überhaupt – in den USA nur in kleinen Schritten voran. So verabschiedete das Repräsentantenhaus in Washington vergangene Woche einen Gesetzentwurf, der eine genauere Kontrolle der Identität von Waffenkäufern vorschreibt. kat

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