Zeitung Heute : Jeder Versuch zählt

Paul Janositz

Nach Schätzungen kommen dieses Jahr 10000 Babys weniger auf die Welt, weil Kassen die Kosten für künstliche Befruchtungen nicht mehr voll erstatten. Was kostet ein Eingriff?

„Seit Januar 2004 bemerken wir einen deutlichen Rückgang an Patienten“, sagt Kay Moeller von der Berliner Gemeinschaftspraxis „FERA“ für Reproduktionsmedizin. Seit die gesetzlichen Kassen ihre Leistungen eingeschränkt haben, fragen weniger Paare eine künstliche Befruchtung nach. Private Kassen übernehmen zwar in der Regel die Kosten für künstliche Befruchtungen noch vollständig. Doch die gesetzlichen Kassen, die früher die Kosten für vier In-vitro-Fertilisation (IVF)-Behandlungen vollständig übernommen hatten, zahlen jetzt nur noch 50 Prozent für drei Versuche.

„Ein Versuch kostet etwa 3000 Euro“, sagt Moeller. In dem Betrag seien schätzungsweise 1600 Euro für Arzneimittel enthalten. Bei dem Medikament handelt es sich vor allem um Follikel-stimulierendes-Hormon (FSH), das die Bildung von Eizellen anregt. Das Honorar für die ärztlichen Leistungen beziffert Moeller auf 1370 Euro, wovon 150 Euro auf die Anästhesie entfallen. Die Kassenleistungen gelten nur für verheiratete Paare, wobei die Frauen nicht jünger als 25 und nicht älter als 40 Jahre sein dürfen. Die Männer müssen jünger als 50 Jahre alt sein. Die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft beträgt bei einem IVF-Versuch etwa 25 bis 30 Prozent. Das sei genauso hoch wie bei der traditionellen Art der Fortpflanzung, sagt Moeller. Falls die Unfruchtbarkeit daran liegt, dass die Spermien nicht in die Eizelle eindringen können, wird die „ICSI“-Methode angewandt. Dabei wird ein Spermium in die Eizelle injiziert. Diese Behandlung kostet etwa 400 Euro mehr als die IVF-Therapie. Die etwa 240 Euro teure Insemination, bei der Samen in Gebärmutter oder Eileiter eingebracht wird, zahlen die Kassen auch nur noch zur Hälfte.

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