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Das Rennen um die US-Präsidentschaft hat gerade erst begonnen. Wie geht es jetzt weiter?

Fabian Leber

Was sagt das Ergebnis des Super Tuesday aus?

Amerika ist tief gespalten – und zwar nicht nur in der Gesamtheit der Wählerschaft, sondern auch innerhalb der beiden politischen Lager von Demokraten und Republikanern. Das zeigen Befragungen, die am Super Tuesday vor den Wahllokalen gemacht wurden. Noch deutlicher als nach dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina standen die Schwarzen diesmal hinter Barack Obama. 86 Prozent der schwarzen Männer und 79 Prozent der schwarzen Frauen stimmten nach einer CNN-Analyse für ihn. Ganz anders wählten die Hispanics – 65 Prozent waren für Hillary Clinton. Allerdings konnte Barack Obama in seinem Heimatstaat Illinois 52 Prozent der Latinos für sich gewinnen. Clinton gelang es, insgesamt eine Mehrheit der Frauen (52 Prozent) zu überzeugen, während Obama bei den Männern – diesmal auch den weißen Männern – in fast allen Staaten vorne lag. Von den Wähler, für die die Wirtschaftslage das wichtigste Thema ist, stimmten 46 Prozent für Obama und 50 Prozent für Clinton. Profitieren konnte Obama von den Wählern, die sich erst kurzfristig entschieden. Sie stimmten mit großer Mehrheit für ihn – genauso wie junge Wähler.

Nicht weniger gespalten stellt sich die Lage bei den Republikanern dar. Außer in Illinois und seinem Heimatstaat Arizona gelang es John McCain nicht, eine Mehrheit der konservativ-religiösen Wähler zu überzeugen. Dadurch erklärt sich auch der Erfolg von Mike Huckabee in vielen Südstaaten. Republikanische Wähler, die von sich sagen, sie hätten eine schlechte Meinung von der Bush-Regierung, stimmten zwar überwiegend für McCain – aber auch hier wieder mit Ausnahme der drei Südstaaten Alabama, Tennessee und Arkansas, wo in dieser Gruppe Mike Huckabee vorne lag.

Wann könnten die beiden

Präsidentschaftsbewerber feststehen?

In den nächsten Wochen finden weitere Vorwahlen statt, beginnend am Wochenende mit Louisiana und Washington State. Auch hier ist ein Szenario möglich, das den Super Tuesday auszeichnete: Die Stimmen könnten zu etwa gleichen Teilen an Clinton wie an Obama gehen. Eine Entscheidung bei den Demokraten wird deshalb kaum vor dem 4. März fallen, wenn bei den Vorwahlen in Texas und Ohio 390 Delegierte vergeben werden – oder am 22. April, wenn in Pennsylvania 181 Delegierte bestimmt werden. Die letzten Vorwahlen finden am 3. Juni in South Dakota und Montana statt. Der Parteitag der Demokraten beginnt am 25. August in Denver, bei den Republikanern eine Woche später in Minneapolis/St. Paul.

Wie läuft die Nominierung

der Kandidaten genau ab?

Während bei den Republikanern schon bald ein Kandidat feststehen dürfte (vermutlich John McCain), kann es bei den Demokraten passieren, dass bis zum Parteitag weder Obama noch Clinton auf die erforderliche Mehrheit von 2025 Delegierten kommen. Bei der Versammlung in Denver sind nicht nur jene Delegierten stimmberechtigt, die sich nach dem Ergebnis der Vorwahlen berechnen und faktisch auf einen Kandidaten festgelegt sind. Es gibt auch noch 796 „Super-Delegierte“. Das sind hohe Parteifunktionäre oder Mandatsträger, denen von der Parteiführung ein Stimmrecht eingeräumt wird. Dazu zählen alle demokratischen Kongressmitglieder, die Gouverneure der Demokraten und Mitglieder des „Democratic National Committee“, der Parteiführung. Im Gegensatz zu den regulären Delegierten sind sie in ihrem Abstimmungsverhalten frei. Mehr als 500 von ihnen haben sich bisher weder auf Clinton noch auf Obama festgelegt – beide Kandidaten werben heftig um diese Stimmen. Besonders Hillary Clinton könnte versucht sein, bei einem knappen Wahlausgang auf ihre Netzwerke innerhalb der Demokratischen Partei zu setzen.

Das Stimmrecht der „Super-Delegierten“ ist ein historisches Relikt: Ursprünglich funktionierten die Nominierungsversammlungen wie deutsche Parteitage, auf denen vor allem Funktionäre das Sagen haben. Erst später setzte sich das System der Vorwahlen durch – doch die Parteiführung wollten einen Teil ihres Einflusses behalten. Zuletzt war bei den Demokraten im Jahr 1952 mehr als eine Abstimmung auf dem Parteitag nötig. Die Partei hofft aber, dass die Entscheidung bereits früher fällt, weil sich Clinton und Obama in einem derart langen Kampf um die Kandidatur aufreiben könnten. Ein Kandidat, der mit keinem klaren Votum aus den Vorwahlen antritt, würde außerdem mit einer schweren Hypothek in die eigentliche Präsidentschaftswahl gehen.

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