Zeitung Heute : Jeder zweite Berliner unzufrieden

Der Tagesspiegel

Ungenügend – das wäre wohl die Schulnote, die fast die Hälfte der 3,4 Millionen Berliner ihrer Stadt geben würde. Das ergab eine über das Internet durchgeführte Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden. Nur 55 Prozent der Berliner leben demnach gern in der Stadt. Damit liegt Berlin in der Rangliste der zehn größten deutschen Städte auf dem letzten Platz.

Was stört die Berliner an ihrer Stadt? Neben Lärm und Dreck prangern die Befragten vor allem die Bildungsmisere an. Auch im Bildungsvergleich landete Berlin auf dem letzten Platz. Die Schulkritik findet Elisabeth Willkomm, Landesschulbeiratsvorsitzende, berechtigt. „Wir haben zu wenig Lehrer, der Unterricht ist oft schlecht, und nach der Schulzeit finden die Jugendlichen kaum Lehrstellen.“ Aber die Kritik der Berliner an ihrer Stadt geht noch weiter: Die schlechte Arbeitsmarktlage und hohe Lebenshaltungskosten werden bemängelt. Mit dem Image der Stadt und dem sozialen Umfeld ist man nur mittelmäßig zufrieden. Allein mit dem kulturellen Angebot und den Einkaufsmöglichkeiten sind die Berliner zufrieden.

Die Kritik der Berliner sei sicherlich berechtigt, sagt Ralf Rytlewski, Stadtsoziologe an der Freien Universität. Jedoch bescheinigt er den Hauptstädtern auch eine besondere „Lust am Kritisieren“. „Der Berliner Unwille gegen die Obrigkeit“ sei ein historisches Phänomen, sagt Wissenschaftler Rytlewski. „Das fängt bei dem Protest gegen die Hohenzollern an und hört bei den Kreuzberger 1.-Mai-Demonstrationen auf.“ 6400 Berliner im Alter von 18 bis 59 Jahre nahmen an der Online-Umfrage von Oktober bis Dezember 2001 teil. kvm

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