Zeitung Heute : Jedoch keine Meldungen an das FBI - Hacker "Drudge" traf Clinton

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Wenige Stunden vor dem Treffen von US-Präsident Bill Clinton und dem Hacker mit dem Decknamen "Drudge" im Weißen Haus, platzte am Dienstag erst einmal eine andere Bombe. Wie bekannt wurde, hatte es bereits vor den Attacken auf Internet-Dienstleister wie Yahoo, Amazon oder eBay Anzeichen für die bevorstehenden Angriffe gegeben. Mehrere US-Großbanken gaben jetzt zu, sie hätten bereits vier Tage vor den Cyber-Attacken Anfang letzter Woche per E-Mail detaillierte Warnungen erhalten, diese aber nicht an die Behörden weitergegeben.

In den Warnungen hieß es, auf mehreren Großrechnern in den USA sei gefährliche Software für diese Art Angriffe gespeichert worden. Auch die Adressaten der Angriffe wurden genannt. Eine nicht bekannte Zahl von Banken und Finanzdienstleistern hat sich zu einem Sicherheitsnetz zusammengeschlossen, aus dem die Informationen stammen. Die Banken berufen sich jetzt auf Statuten des Sicherheitsnetzes, nach denen derartige Warnmeldungen nicht an die Ermittlungsbehörden weitergegeben werden dürfen. Die Sicherheitseinrichtung wurde auf Druck von Clinton in den vergangenen Monaten eingerichtet. Der Sitz und die teilnehmenden Institute sind streng geheim.

Die Zeitung "Washington Post" berichtete unterdessen über einen ersten Erfolg bei den Ermittlungen der US-Bundespolizei: Das FBI habe die Decknamen von Hackern entschlüsselt und ihre richtigen Namen und Anschriften ausfindig gemacht. Drei Personen sollten vernommen werden.

Das deutsche Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte am Dienstag vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Die Sicherheitslücken seien vor allem entstanden, weil sich viele Verantwortliche nicht um die Prävention gekümmert hätten. Es ist eine Frage des Sicherheits-Bewusstseins und das muss in den Führungsetagen anfangen, sagte BSI-Referatsleiter Heinz Willebrand gegenüber dem Tagesspiegel. Bereits in der Vergangenheit hatten sich Hacker Zugriff zu fremden Systemen verschafft, um über diese unerkannt Angriffe zu starten. "Natürlich werden wir über neue Schutzmöglichkeiten nachdenken", sagte Willebrand, "doch zuerst müssen die elementaren Fehler ausgemerzt und die bekannten Regeln angewandt werden".

Bundesinnenminister Otto Schily hatte am Montag die Gründung einer Sondereinheit bekannt gegeben, die Hacker-Angriffe im Internet abwehren soll. "Die Sicherheit in der Informationstechnik ist eine Schlüsselfrage für jede moderne Volkswirtschaft", hatte Schily betont. Die Bundesregierung werde alle Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit des Internet zu gewährleisten, so der Minister. Staat und Wirtschaft müssten gemeinsam vorgehen. In der neuen so genannten Task-Force arbeiten Mitarbeiter des Innenministeriums, des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik und das Bundeskriminalamt (BKA) zusammen. Sie sollen nach Angaben des Ministeriums Hacker-Angriffe auswerten und prüfen, welche Gegenmaßnahmen geeignet sind.

Die Angriffe sind nach Meinung eines Experten für Computersicherheit mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von Deutschland ausgegangen. Bei den gigantischen Datenmengen von bis zu einem Gigabit pro Sekunde wären die Transatlantik-Verbindungen zusammengebrochen, sagte Christoph Fischer von der BFK edv-consulting. Das sei nicht geschehen.

Am Tag vor der Konferenz über Computersicherheit ist Clinton das Opfer von Zwischenrufern aus dem Cyberspace geworden. Während eines Online-Interviews Clintons mit dem Fernsehsender CNN seien am Montag mindestens zwei unangemessene Bemerkungen auf den Websites des Senders aufgetaucht, sagte ein CNN-Sprecher. So sei es Unbekannten gelungen, unter Clintons Namen die Antwort "Persönlich würde ich gern mehr Pornos im Internet sehen" auf einer CNN-Internet-Seite unterzubringen. Andere Web-Surfer hätten sich in das elektronische Kommunikationssystem des Senders eingeklinkt und dem Staatschef eine Frage zu seiner Affäre mit der ehemaligen Praktikantin Monica Lewinskiy gestellt, sagte der Sprecher weiter.

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