Zeitung Heute : Jetzt geht’s um die Rolle der Banker

Ifo-Chef Sinn: 1929 hat es die Juden getroffen, heute sind es die Manager / Bischof Marx nennt wilde Spekulation Sünde

Berlin - In der Finanzkrise rückt die Rolle der Manager immer stärker in den Blickpunkt. Während Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Banker warnte, auf die Hilfe des Staates aus falschem Prestigedenken zu verzichten, forderte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans- Werner Sinn, bei der Suche nach Schuldigen die Manager nicht zu Sündenböcken zu machen.

Steinbrück sagte: „Ich hielte es für unverantwortlich, wenn ein Bankvorstand den Schutzschirm des Staates nicht in Anspruch nehmen und so vorsätzlich einen Zusammenbruch seines Instituts in Kauf nehmen würde. Das wäre ein ziemliches Ding“, sagte Steinbrück der „Bild am Sonntag“. In den vergangenen Jahren hätten Bankvertreter gefordert, der Staat solle sich zurückziehen, dies habe zu Exzessen und Zügellosigkeit geführt. „Maßlosigkeit und Risiko-Ignoranz haben Einzug gehalten“, sagte der Minister. „Jetzt kommt es zur notwendigen Korrektur.“

Sinn sagte dem Tagesspiegel, auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 habe niemand an einen anonymen Systemfehler glauben wollen, der die Krise ausgelöst habe. „Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.“ Als Volkswirt sehe er die Fehler stattdessen in falschen Anreizen und fehlenden Regeln.

Auch der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, wies daraufhin, dass ein Kapitalismus ohne ethischen und rechtlichen Ordnungsrahmen „menschenfeindlich“ sei. Wilde Spekulation sei Sünde, sagte Marx dem „Spiegel“. Er rufe alle „zur Umkehr auf, die meinen, ohne Arbeit schnell reich werden zu können, indem man sein Geld irgendwo hochspekulativ einsetzt – ohne Rücksicht auf die Folgen“.

Inzwischen ist die Finanzkrise, die die Bankenwelt erschüttert hat, auch in der Realwirtschaft angekommen. Das zeigen die dramatischen Abstürze an den Börsen in der vergangenen Woche. Und die Vorzeichen für die kommende Woche sind düster: Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem „Handelsblatt“ ergeben, dass den 30 Unternehmen, die im wichtigsten deutschen Börsenindex Dax gelistet sind, eine Halbierung ihrer Gewinne im abgelaufenen Quartal gegenüber dem Vorjahr droht. Auffällig sei, dass die Erträge bei deutschen Konzernen im Vergleich zu ihren Wettbewerbern im übrigen Europa und den USA viel dramatischer einbrechen. Gründe dafür sind der hohe Exportanteil und die Abhängigkeit von Absatzmärkten in den Schwellenländern und Osteuropa – aus diesen Regionen brach die Zahl neuer Aufträge zuletzt regelrecht zusammen. Tsp

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