Zeitung Heute : „Jetzt ist eine neue Qualität erreicht“ Die Berliner Berhörden sind in Alarmbereitschaft

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In Berlin ist bisher noch kein Verdachtsfall aufgetreten. Dennoch ist die Gesundheitsverwaltung alarmiert. „Seitdem bekannt ist, dass die Vogelgrippe von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte, hat sie eine neue Qualität erreicht“, sagt die Berliner Seuchenreferentin AnnaLuise Wesirow. Deshalb forciere man nun die Vorbereitungsmaßnahmen. Grundsätzlich gilt in Berlin der Seuchenalarmplan von 1994. Er sieht vor, dass Ärzte beim Verdacht auf eine gefährliche Infektionskrankheit das Gesundheitsamt des Bezirks informieren. Dieses wiederum alarmiert die Seuchenabteilung der Senatsgesundheitsverwaltung. Die Menschen mit Verdacht auf eine Infektion würden in die Quarantänestation des Rudolf-Virchow-Klinikums überwiesen. Dort stehen 40 Betten zur Verfügung. 700 Reservebetten sind in anderen Krankenhäusern einsatzbereit, sagt Wesirow. Auch will man das im Dezember gegründete Kompetenzzentrum für hochansteckende Krankheiten personell erweitern. Das bislang achtköpfigen Gremium aus Amtsärzten, Fachärzten aus der Charité und Virologen aus dem Tropeninstitut berät die Gesundheitsverwaltung.

Für alle Bundesländer wird künftig ein Pandemieplan Grundlage der Seuchenbekämpfung sein, den das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) erarbeitet hat. Er wird im Moment mit dem Bundesgesundheitsministerium und den Ländern abgestimmt. Zu den wichtigsten Sofortmaßnahmen des Krisenplans gehört, dass größere Mengen eines Grippemedikamentes mit dem Wirkstoff Neuraminidase-Hemmer auf Vorrat gehalten und verteilt werden. Die Berliner Gesundheitsverwaltung prüft derzeit, welche Mengen des Medikamentes in Berlin vorhanden sind.

Im Ernstfall soll das Präparat zunächst an Ärzte, Krankenschwestern und Mitarbeiter des Gesundheitssystems verteilt werden, in einer zweiten Welle auch an Polizisten und Verwaltungsmitarbeiter. Außerdem regelt der Plan hygienische Schutzmaßnahmen in Kliniken und Arztpraxen. Darüber hinaus soll ein Impfstoff entwickelt werden. Die Weltgesundheitsorganisation verhandelt bereits mit Herstellern.

sig/clk

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