Zeitung Heute : Jetzt ist er der Favorit

Nach seinem Sieg bei drei weiteren Vorwahlen in den USA liegt Barack Obama jetzt wenige Delegiertenstimmen hinter Hillary Clinton. Was sagen die Ergebnisse vom Wochenende aus?

Christoph Marschall

Die Höhe des Erfolgs überrascht Amerika. Dass Barack Obama die Vorwahlen in Louisiana, Nebraska, Washington State und auf den Virgin Islands gewinnen könnte, war erwartet worden. Doch das Ausmaß seines Triumphs über Hillary Clinton ist eine Sensation. Erneut zeigte der schwarze Senator, dass er quer durch das Land siegen kann. Mit 68 zu 31 Prozent gewann er Washington State im Nordwesten an der Pazifikküste. Mit 68 zu 32 Prozent siegte er in Nebraska in der optischen Mitte der USA. In Louisiana am Golf von Mexiko erhielt er 57 und Clinton 36 Prozent der Stimmen.

Diese deutliche Verteilung der Sympathien lässt nun immer mehr Bürger und Kommentatoren spekulieren, ob sie eine Stimmungswende bei der Auswahl der Person erlebt, die Anfang November in der Hauptwahl für die Demokraten antreten soll. Bis zum Super Tuesday vor sechs Tagen war Hillary Clinton die Favoritin. Nun zieht Barack Obama, der Herausforderer, offenbar an ihr vorbei. Zahlenmäßig entschieden ist noch nichts, schon gar nicht durch diese drei Siege. Sie bringen Obama nur einen geringen Zuwachs an Delegiertenstimmen.

Atmosphärisch jedoch hat er jetzt einen dreifachen Vorteil. Das Momentum ist auf seiner Seite, er ist der aufsteigende, sie der absteigende Star – jedenfalls, solange sie keinen überzeugenden Sieg landet. Er hat wesentlich mehr Erfolg als sie beim Einwerben von Wahlkampfspenden. Mit diesem Geld kann er teure TV-Werbespots für sich bezahlen, die ihm bessere Chancen bei den anstehenden Vorwahlen verschaffen. In der Nacht von Sonntag auf Montag stimmte Maine ab, wo Clinton die Nase vorn hat. Am Dienstag folgen Maryland, Virginia und die Hauptstadt Washington D. C. – mit den besseren Aussichten für ihn.

Nach jüngsten Umfragen hat Obama zudem höhere Chancen als Clinton, den Republikaner John McCain im November zu besiegen. Dem ist die Nominierung als Konservativer fast sicher. Doch auch die Vorwahlergebnisse der Republikaner vom Samstag erregten Aufsehen. Sie zeigten McCains Schwachpunkte. In Kansas deklassierte Mike Huckabee, der Liebling der religiösen Rechten, McCain mit 60 zu 24 Prozent. In Louisiana lag Huckabee knapp vorn, mit 43 zu 42 Prozent. In Washington State war der Ausgang am Sonntag unklar.

In der Summe heißt das: Selbst jetzt, wo die Entscheidung über den Kandidaten gefallen und McCain die Nominierung kaum noch zu nehmen sein dürfte, ist der rechte Flügel der Partei nicht bereit, für ihn zu stimmen. Mit ihrem Votum für den chancenlosen Huckabee riskieren die Rechten den öffentlichen Eindruck, dass die Republikaner ebenso gespalten sind wie die Demokraten in der Frage, wer die Partei in der Präsidentenwahl repräsentieren soll.

McCain ist ein moderater Konservativer. Er genießt Ansehen bei unabhängigen Wählern und selbst bei vielen Demokraten als Kriegsheld und charakterfester Mann, der persönliche Überzeugungen über die Parteilinie stellt. Doch aus denselben Gründen mögen ihn rechte Republikaner nicht. Zu oft hat er gegen Präsident George W. Bush gestimmt und gegen ideologische Prinzipien.

In der Konsequenz bedeutet das: Die Wahl wird in der Mitte entschieden, im Kampf um unabhängige Wähler. Dort muss McCain die Stimmen gewinnen, die ihm rechts fehlen. Dort sehen aber auch Obama und Clinton ihre Siegchancen. Nach den Bush-Jahren sind viele Bürger enttäuscht von den Republikanern.

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