Zeitung Heute : Jetzt kommt Helen, der Prototyp des Mauerblümchens

Joachim Huber

Ich kaufe mir einen Mann. Sat 1. Zugestanden, am Schluss rutscht der Film in schreiendes Rosarot ab. Helen, eingeführt als Prototyp des Mauerblümchens, besteht das Studium, kann der kirchenmausarmen Freundin ein Haus schenken, hat sich an der Geliebten des untreuen Gatten gerächt - und ihren Prinzen gefunden. Wer aber wollte Helen ihre Hausse nicht gönnen? Ausgenutzt von den Männern, ausgesaugt von ihrer Umwelt muss sie durch einen langen, langen Tunnel gehen, ehe Helen, die Kämpferin, ins Licht tritt.

Die Story ist leicht zugänglich, ihre Heldin lädt alle Zuschauerinnen zu Identifikation und Nachahmung ein. Ein Film, wie geschaffen für den Internationalen Frauentag? Auch das, aber mehr noch für einen Fernsehabend, der in spielerischer Manier Frau zeigt, dass sie nicht als "Schuhabstreifer" auf die Welt gekommen ist. Das Drehbuch von Natalie Scharf lässt schwerste Gewitter und luzide Schäfchenwolken am Himmel aufziehen, Regisseur Gabriel Barylli traut sich, die Produktion zur nicht immer erdenschweren Komödie anzuheben. Und dann diese Musik: Abba, Beatles - da macht auch der Sound richtig gute Laune. Mariele Millowitsch spielt Helen, das Puttchen, das die Ketten abwirft. Starke Leistung. Wo eine Uschi Glas mit ihren übertoughen Frauen zunehmend verkrampft, spielt sich Mariele Millowitsch auf der Normalo-Linie nach vorne. Da sind noch mehr richtungsweisende Rollen drin.

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