Zeitung Heute : Joachim Thoma über Computerkurse für Lehrer (Interview)

Letzte Woche ging eine Meldung durch die Presse[d]

Mit dem Referenten für Medien bei der Senatsschulverwaltung Berlin, Joachim Thoma, sprach Simone Leinkauf.

Letzte Woche ging eine Meldung durch die Presse, dass die Berliner Lehrer im Schnitt sehr schlecht am Computer ausgebildet seien. Ist das richtig, Herr Thoma?

Nur zum Teil, schließlich ist es ein Unterschied, was die Lehrer im Unterricht und was sie zu Hause tun. Auf jeden Fall haben wir in den letzten zwei Jahren über die CidS!-Initiative rund 4 000 Lehrer geschult. Seit 1983 wurden sogar 24 000 Lehrer in Computerkursen fortgebildet.

Dann dürfte es doch gar keine Beanstandungen geben?

Doch. Schulungen, die vor zehn Jahren durchgeführt wurden, sind doch schon völlig überholt. Wir können erst dann zufrieden sein, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer neue Medien im Unterricht einsetzen.

Was wäre unter den gegebenen Umständen am wichtigsten?

Zunächst bräuchte man mehr Geld, um die Schulungen auch in der notwendigen Qualität und Quantität anbieten zu können. Nur so gelingt es, skeptische Lehrer davon zu überzeugen, dass der Computereinsatz im Unterricht nicht nur Spielerei ist, sondern die Schüler auch etwas davon haben.

Wäre mehr Geld für die Schulungen da, gäbe es das Problem nicht?

Momentan steht einem sinnvollen Einsatz vom Computer im Unterricht die Einteilung des Unterrichts in 45minütige Einheiten entgegen. Da müsste was geändert werden, Man könnte sich mehr auf 90-Minuten-Blöcke einstellen.

Was passiert, wenn der Computer oder ein ganzes Netzwerk im Unterricht abstürzt?

Man wartet auf das Pausenzeichen - im Ernst, das ist eines der Hauptprobleme. In Deutschland wird von den Lehrern erwartet, dass sie die Systeme in ihrer Freizeit gleich mit warten - und nur wenige können das. Bei den Angelsachsen werden dafür Profis eingestellt: Ich habe in Schottland eine Schule besucht, deren 200 Computer von drei hauptamtlichen Systemverwaltern betreut wurden.

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