Zeitung Heute : Job weg – aber die Betriebsrente bleibt

Die betriebliche Altersvorsorge ist vor einer Insolvenz des Arbeitgebers geschützt. Meist springt der Pensionssicherungsverein ein

Andreas Kunze

Angesichts der Welle von Unternehmenspleiten fürchten sich Arbeitnehmer doppelt: Sie sorgen sich um ihren Job und um ihre Betriebsrente. Doch zumindest um die Betriebsrente muss sich niemand ernsthaft Sorgen machen. Fünf Durchführungswege für die betriebliche Altersvorsorge gibt es inzwischen. Abhängig von der Versorgungsart greifen unterschiedliche Sicherungssysteme. Die wichtigste Rolle spielt dabei der Pensionssicherungsverein (PSV) in Köln.

Der PSV ist eine „Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft". Rund 40 000 Unternehmen finanzieren ihn mit einer Umlage. Ansprüche auf bereits laufende Leistungen der Betriebsrentner und Hinterbliebenen sind ohne Wenn und Aber beim PSV geschützt, Anwartschaften von Arbeitnehmern hingegen erst, wenn die gesetzlichen Unverfallbarkeitsvoraussetzungen erfüllt sind: Bei Versorgungszusagen, die ab dem 1. Januar 2001 erteilt wurden, sind Ansprüche unverfallbar, wenn der Arbeitnehmer mindestens das 30. Lebensjahr vollendet hat und die Versorgungszusage mindestens fünf Jahre bestanden hat.

Beruht die Anwartschaft auf einer Entgeltumwandlung, wurde sie also mit Gehaltsverzicht finanziert, ist sie nun schon mit Erteilung der Versorgungszusage unverfallbar. Wer als Arbeitnehmer also freiwillig über den Betrieb vorsorgt, muss keine Sorge haben, dass er wegen nicht erfüllter Fristen Geld verliert.

Die Unverfallbarkeitsvoraussetzungen für vor dem 1. Januar 2001 erteilte Versorgungszusagen sind höher: Es muss eine mindestens zehnjährige Zusagedauer zurückgelegt sein, außerdem muss der Begünstigte mindestens 35 Jahre alt sein. Sehr wichtig: Die alten Unverfallbarkeitsregelungen gelten sowohl für Versorgungsanwartschaften, die auf einer vom Arbeitgeber finanzierten Versorgungszusage als auch auf einer Entgeltumwandlung beruhen. Der PSV haftet aber nur bei Direktzusagen, Unterstützungskassen und Pensionsfonds, nicht aber bei der Pensionskasse und der Direktversicherung.

Direktzusage: Der Arbeitgeber verpflichtet sich, selbst die Rente zu zahlen. In der Ansparphase bildet das Unternehmen dafür Rückstellungen. Später haftet das Unternehmen mit dem Betriebsvermögen. Geht das Unternehmen in Konkurs, sind die Rentenansprüche über den PSV abgesichert – derzeit maximal 7140 Euro im Monat.

Unterstützungskasse: Auch hier wird dem Arbeitnehmer eine feste Rente zugesagt. Allerdings ist die Unterstützungskasse eine vom Arbeitgeber unabhängige Versorgungseinrichtung. Die Rentenansprüche sind über den PSV geschützt.

Pensionsfonds sind selbstständige Versorgungseinrichtungen. Sie werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) beaufsichtigt und müssen mindestens die eingezahlten Beträge garantieren. Zusätzlich sind die Rentenansprüche über den PSV geschützt.

Direktversicherung: Der Arbeitgeber schließt für seine Mitarbeiter eine Lebens- oder Rentenversicherung ab. Bei einer Insolvenz springt notfalls die Auffanggesellschaft Protektor ein (siehe oben). Wichtig: Im Ausnahmefall ist auch eine Direktversicherung über den PSV abgesichert – wenn der Arbeitgeber den Vertrag zu seinen Gunsten beleiht, abtritt oder verpfändet.

Pensionskassen sind selbstständige Versorgungseinrichtungen, die wie eine Lebensversicherung funktionieren. Getragen wird eine Pensionskasse von einem oder mehreren Arbeitgebern. Sie wird von der BaFin beaufsichtigt, zusätzliche Insolvenzsicherungen gibt es nicht.

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