Zeitung Heute : Jobben im Studium

Zu viel Arbeit kann teuer werden

Jörg Wiebking[dpa]

Miete, Lebensmittel, Fachliteratur – ein Studium kostet viel Geld. Schon heute arbeiten 68 Prozent aller angehenden Akademiker neben dem Studium, sagt Achim Meyer auf der Heyde vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. „Und mit der Einführung von Semestergebühren wird die Erwerbstätigkeit weiter steigen.“ Spätestens dann stehen viele Studenten vor der Frage: Wie viel dürfen sie dazu verdienen, ohne Abgaben zahlen zu müssen?

Durchschnittlich 325 Euro verdienen Studenten nach Schätzungen des Studentenwerks pro Monat dazu. Dafür sind noch keine Steuern fällig: „Der steuerliche Grundfreibetrag liegt 2005 bei 7664 Euro“, erläutert Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine in Berlin. Hinzu kommen eine Vorsorgepauschale (2160 Euro), eine Werbekostenpauschale (920 Euro) und eine Sonderausgabenpauschale (36 Euro). Zusammen ergibt sich ein Betrag von rund 10 780 Euro. Wer die Grenze überschreitet, muss Steuern zahlen, kann aber die Ausgaben für den Beruf, zum Beispiel die Kosten für Arbeitsmittel, absetzen.

Geld bekommen Studenten vom Finanzamt nur zurück, wenn sie eine Steuererklärung abgeben. Eine Ausnahme sind Minijobs mit maximal 400 Euro Einkommen im Monat. Für sie zahlt der Arbeitgeber eine Lohnsteuerpauschale, und die rückt der Fiskus nicht heraus.

Im Vorteil sind Hochschüler bei den Sozialversicherungen. Wer über eine Familienversicherung oder als Student selbst krankenversichert ist, muss für seine Jobs keine Beiträge zahlen, sagt Bernhard Liebscher vom Deutschen Studentenwerk, zumindest solange die Arbeit bestimmte Grenzen nicht überschreitet. So zahlen Studenten keine weiteren Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, „wenn sie nicht mehr als 20 Wochenstunden arbeiten.“ In Ausnahmefällen könnten es mehr Stunden sein, etwa bei Wochenendjobs oder Nachtarbeit. In den Semesterferien ist die Obergrenze von 20 Wochenstunden aufgehoben. Bei Minijobs führt der Arbeitgeber eine entsprechende Pauschale ab. In allen anderen Fällen aber müssen Studenten Sozialabgaben zahlen.

Etwas komplizierter wird es bei der Rentenversicherung. Ab einem regelmäßigen Einkommen von mehr als 400 Euro müsse der Student Beiträge zahlen. Deren Höhe hängt vom Einkommen ab. Ab der 400 Euro-Grenze steigt der Beitrag gleitend auf den vollen Satz von maximal 9,75 Prozent, erläutert Liebscher. Der volle Beitrag ist ab 800 Euro im Monat fällig. Doch auch hier gibt es eine Ausnahme: die Semesterferien. In dieser Zeit fallen laut Liebscher keine Rentenbeiträge an, „wenn das Beschäftigungsverhältnis auf längstens zwei Monate oder 50 Arbeitstage im Jahr begrenzt ist“. Minijobber brauchen sich über Rentenbeiträge keine Gedanken zu machen. Die sind mit der Arbeitgeberpauschale bezahlt.

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