Zeitung Heute : Jobsuche: Erfolgreich via Eigeninitiative

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Rund 500 000 offene Stellen - so viele Jobs wie dieser Tage haben die Unternehmen den Arbeitsämtern seit 1973 nicht mehr gemeldet. Beste Voraussetzungen für die Bundesanstalt für Arbeit, die Leistungsfähigkeit ihrer bundesweit 181 Arbeitsämter unter Beweis zu stellen. Gleichwohl tut sich die Nürnberger Behörde schwer damit, Betriebe und Bewerber zusammenzubringen. Immerhin: Mit dem "Arbeitsamt 2000" (siehe Karriere & Beruf vom 10. Dezember) soll schrittweise der alte Behördenmief durch frischen Servicewind ersetzt werden. Die Arbeitsmarktexperten erhoffen sich von der neuen Kundenorientierung beschleunigte Vermittlungen. Die Überschlagsrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (www.iwkoeln.de): Im Schnitt ist ein Arbeitsloser derzeit 29,5 Wochen auf Jobsuche. Bei einer Verkürzung um nur vier Wochen, gäbe es im Jahresschnitt etwa 530 000 Arbeitslose weniger. Die Zahl der Erwerbstätigen könnte auf über 39,5 Millionen steigen.

Das Problem: Der Anteil der länger als ein Jahr Erwerbslosen unter den rund 3,65 Millionen Arbeitslosen liegt bei 36 Prozent. Das Kölner iw glaubt nicht so recht daran, dass den nun kundenorientierten Arbeitsberatern mehr Vermittlungen gelingen. Doch: "Für einen schnelleren Wiedereinstieg", schreibt das iw in seinem Informationsdienst, "könnte auch ein stärkeres eigenes Engagement Arbeitsloser sorgen." Denn nirgendwo sonst in der EU werde so stark auf Amtshilfe gesetzt. In Zahlen: Für 96,2 Prozent aller Arbeitslosen in Deutschland ist das Amt "der wichtigste Weg" bei der Jobsuche, 25 Prozent lassen sich auch Tipps von Verwandten oder Bekannten geben. Lediglich jeder zehnte Arbeitslose zeigt selbst Initiative und bewirbt sich direkt bei einem potenziellen Arbeitgeber. In Frankreich tut das jeder Zweite, in Finnland sind es knapp 60, in Irland sogar 70 Prozent.

Insbesondere Langzeitarbeitslose haben deshalb wohl gar keine andere Chance, als ihr Bewerbungsverhalten zu verändern und wenigstens den europäischen Nachbarn anzupassen. So furchtbar schwierig ist das nicht. Die 40 wichtigsten deutschen Tageszeitungen veröffentlichen monatlich mehr als 65 000 Stellenangebote und für ganz Mutige gibt es auch das Branchenbuch. Motto: Ruf doch mal an. Hinzu kommen - in kaum übersehbarer Zahl - Jobbörsen und Firmen-Homepages im Web. An Internet-Cafés ist - zumindest in Berlin - auch kein Mangel. Voraussetzung für einen produktiven Besuch: ein Minimum an PC-Kenntnissen. Die werden in Grundkursen vermittelt - und oft sogar vom Arbeitsamt gefördert.

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