Zeitung Heute : Jobsuche: Schnelles Feeling

Petra Begemann

Ob in der S-Bahn, im Café oder bei einer Ausstellung: Es klingelt, dudelt, piept. Wir sind ein Volk der Vieltelefonierer. Doch wenn es darum geht, das Telefon bei der Jobsuche gezielt einzusetzen, wird selbst die Handy-Generation vorsichtig: "Einfach anrufen" und "sich selbst anpreisen", das sei doch irgendwie peinlich, heißt es. Die Arbeitgeberseite sieht das anders: "Ich bin ein Fan von Vorabtelefonaten", meint etwa Gudrun Spangenberg, Personalverantwortliche bei Viessmann Heiztechnik: "Am Telefon kann ich mir einen persönlichen Eindruck vom Bewerber verschaffen, was bei einer schriftlichen Bewerbung schwieriger ist." Auch Steffen Fritzsche, Account Director PR bei der Frankfurter PR Agentur Targis, schätzt Bewerber, die zum Hörer greifen: "Man bekommt recht schnell ein Feeling dafür, ob jemand in eine Agentur passt oder nicht."

Gleichgültig, ob Sie per Telefon auf eine Anzeige reagieren oder sich initiativ bewerben: Wenn Sie es schaffen, Personalchef oder potenziellen Vorgesetzen direkt an die Strippe zu bekommen, haben Sie sich selbst ein erstes kurzes Vorstellungsgespräch organisiert. Vor einer Einladung ins Unternehmen sind zwar meist schriftliche Bewerbungsunterlagen gewünscht; diese landen jedoch nicht mehr auf dem großen Stapel ähnlicher Mappen, sondern werden mit etwas Glück und der richtigen Strategie gezielt unter die Lupe genommen. Die richtige Bewerberstrategie bedeutet hier dreierlei:

Erstens: Schnell reagieren (binnen ein bis zwei Tagen).

Zweitens: Sich im Anschreiben auf das Telefonat beziehen.

Drittens: Den positiven Ersteindruck vom Telefon durch überzeugende Bewerbungsunterlagen erhärten.

Die Gretchenfrage lautet jedoch, wie Sie im Telefonat mit dem "Entscheider" einen möglichst viel versprechenden Eindruck hinterlassen. Das Erfolgsrezept: Machen Sie es wie die Werbeprofis und versetzen Sie sich in Ihre Zielgruppe hinein. Am anderen Ende der Leitung sitzt jemand, der aller Wahrscheinlichkeit eine Menge Arbeit auf dem Tisch hat. Fassen Sie sich deshalb kurz und bringen Sie Ihr Anliegen auf den Punkt.

"Viele Leute neigen dazu, einem am Telefon die Lebensgeschichte zu erzählen, und dafür habe ich einfach keine Zeit", erklärt Sybille Kludas, Personalleiterin bei der Multimedia-Agentur Elephant Seven. Ehe Sie sich also über Studium, Schwerpunktfächer, voraussichtliches Examen langsam an Ihre eigentliche Frage herantasten, starten Sie besser mit Schlüsselargumenten in eigener Sache. "Guten Tag, Herr Meier. Mein Name ist ... Ich habe gelesen, dass Ihr Unternehmen stark expandiert und das Online-Angebot ausbauen will. Ich bin Diplom-Kauffrau, habe gute html-Kenntnisse und im Praktikum bei der Müller GmbH am Aufbau eines Shopsystems mitgearbeitet. Ich würde mich gerne bei Ihnen im Vertrieb bewerben." Ein solcher Gesprächseinstieg weckt eher Interesse als der bloße Hinweis auf das Studienfach und die zögerliche Frage nach einer "Einstiegsposition im Vertrieb".

"Am überzeugendsten sind Bewerber, die genau wissen, was sie wollen", meint auch Steffen Fritzsche von Targis. Arbeitgeber suchen Mitarbeiter, die die Dinge engagiert und kompetent anpacken. Und das vermuten sie eher bei jemandem, der sich ganz gezielt bei Ihnen bewirbt, als bei einem Bewerber, der "irgendeine" Stelle sucht. Einem guten Initiativ-Telefonat geht daher eine sorgfältige Firmenrecherche voraus.

Während Sie den Gesprächseinstieg noch planen können, müssen Sie im weiteren Verlauf flexibel reagieren. Hilfreich dabei: Ein Stichwortzettel mit den eigenen Schlüsselargumenten.Treten Sie selbstbewusst-höflich auf. Umständlich-langatmige Formulierungen, leise oder schleppende Stimme, Unsicherheit hinsichtlich der eigenen Stärken - all das wirkt ungünstig. Von Ihrem Auftreten am Telefon schließt die andere Seite unweigerlich auf Ihre Person und Ihren Arbeitsstil.

Und wenn man Sie im Vorzimmer ausbremst und gar nicht erst verbinden will? Mit Selbstbewusstsein und Höflichkeit kommen Sie auch hier am weitesten. Präsentieren Sie sich der Sekretärin als interessante(r) Kandidat(in). Ein dreister Bluff ("Ich habe Herrn Dr. Müller-Lüdenscheidt ein wichtiges Projekt vorzuschlagen") kann bös nach hinten losgehen. Fazit: Gutes Selbst-Marketing - ja, Drückermethoden: nein.

Die Autorin ist promovierte Linguistin, Karriereberaterin und Autorin in Frankfurt. Ihr neuestes Buch "Keine Angst vor dem Studienende" (Campus Verlag, Frankfurt 2001, 31 Mark) gibt Tipps von der richtigen Weichenstellung im Studium bis zum Jobeinstieg.

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