Zeitung Heute : Jobsuche: Tummelplatz für Bewerber

Andrea Behnke

Nirgendwo trifft man so viele potenzielle Arbeitgeber wie bei Recruiting-Events. Zahlreiche Verlage und kommerzielle Anbieter, aber auch Studenteninitiativen organisieren Messen und Veranstaltungen, auf denen Unternehmen und Bewerber zusammenkommen. Mal bundesweit, mal regional, mal fachübergreifend, mal thematisch festgelegt. Eine gute Sache. Denn wo hat man sonst schon mal die Chance, sich gegenseitig unverbindlich zu beschnuppern?

Die Angebote reichen von Job-Hallen, die bei Produktmessen wie beispielsweise der Cebit integriert werden, über offene Recruiting-Messen bis hin zu elitären Angeboten, an denen man nur nach vorheriger Bewerbung und anschließender Zusage teilnehmen kann. "Bei unseren Workshops steht für beide Seiten ganz klar das Interesse im Vordergrund, tatsächlich Verträge abzuschließen", sagt Claudia Wiegner-Ruf, Organisatorin der Recruiting-Workshops der vdi-nachrichten. 120 so genannte "High Potentials" werden im Vorfeld sorgfältig ausgewählt.

Bei Messen, die gegen Eintritt allen offen stehen, ist das Publikum gemischter. Vom Berufsanfänger, der seine weitere Karriere plant, bis zum Studierenden im Hauptstudium ist alles vertreten. Ein Besuch macht aber auch Sinn, wenn man erst einige Semester hinter sich hat - einfach, um zu schauen, wohin die berufliche Reise gehen könnte.

"Für uns sind solche Aktivitäten eine gute Plattform, uns als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren", sagt Wolfgang Kämmer, von der Zentralabteilung Corporate Personnel bei Siemens. Über den Messestand oder eine Vorstellung im Rahmenprogramm werden häufig auch Stellensuchende erreicht, bei denen das Unternehmen X vielleicht nicht ganz oben auf der Wunschliste stand. "Unternehmen haben durch Recruiting-Veranstaltungen einen Imagegewinn", weiß auch Claudia Wiegner-Ruf.

Sich zu verkaufen - das gilt nicht nur für die Aussteller, sondern auch für die Besucher. "Daher sollte man ziemlich professionell auftreten", rät der Berliner Karriereberater Jürgen Hesse. "Sowohl, was die mündliche Präsentation als auch, was das Aussehen betrifft." Nicht overdressed, nicht underdressed - und vor allem gut informiert sollte man sein. Insbesondere natürlich bei Gesprächen, die vorher verabredet wurden. "Das sind richtige Vorstellungsgespräche, bei denen ein Vertrag im Raum steht", so Wolfgang Kämmer. Wer bin ich? Was kann ich? Und nicht zuletzt ganz wichtig: Was will ich? Diese Fragen sollte man im Vorfeld schon mal durchgehen.

Doch auch Treffen, die spontan stattfinden, kann man vorbereiten, etwa durch einen Blick ins Ausstellerverzeichnis. Ein paar Unterlagen gehören ohnehin bei jedem Messe-Trip in die Tasche. "Ein ausführlicher Lebenslauf mit einem ansprechenden Foto oder eine ordentliche Mini-Bewerbung reichen jedoch vollkommen", meint Jürgen Hesse. Da die Gespräche, die ohne Verabredung zustande kommen, oft sehr kurz sind, muss man schnell auf den Punkt kommen. Die Firmen prüfen weniger Fachwissen ab, als dass sie viel über den Kandidaten oder die Kandidatin erfahren wollen. Ein kurzes - und individuelles, unverwechselbares! - "Marketing in eigener Sache" vorher zu üben, kann nicht schaden.

Letztlich sind diese Minuten plus Mappe die Visitenkarte, durch die man sich von anderen Messebesuchern abhebt. Und das ist oft gar nicht so leicht, da gerade große, namhafte Unternehmen manchmal regelrecht "überrollt" werden. Allein auf der Cebit hatten 26 Siemens-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter rund 7 000 Kontakte zu Interessierten und konnten knapp 600 Bewerbungsunterlagen mit nach Hause nehmen ...

Obwohl Besucher natürlich auch bei Recruiting-Veranstaltungen nicht "konkurrenzlos" sind, bieten derartige Events die einzigartige Chance, tatsächlich ein wenig Unternehmenskultur zu schnuppern. Die Gesprächspartner kommen häufig aus den jeweiligen Fachabteilungen, so dass sie "live aus dem Arbeitsalltag" berichten können.

Nach der Messe heißt es: Dranbleiben! Beispielsweise durch einen netten Brief. "So kann man sich locker für das freundliche Gespräch bedanken und vielleicht direkt seine komplette Mappe einsenden", so Jürgen Hesse. Wichtig ist ein Foto, um sofort wieder buchstäblich "im Bilde" zu sein. Damit man selber alle Gesprächspartner noch den Unternehmen zuordnen kann, sollte man sich während der Gespräche kurze Notizen machen. Denn bekanntlich sammelt man auf Messen unglaublich viele Visitenkarten ...

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