Zeitung Heute : Jobwechsel: "Ein Praktikum gab mir Auftrieb und eine berufliche Vision"

Saskia de Vries

"Ich gehe meine eigenen Wege, ein Ende ist nicht abzusehen - eigene Wege sind schwer zu beschreiben, sie entstehen ja erst beim Gehen." Saskia de Vries zitiert den Liedermacher Heinz Rudolf Kunze, um ihre "krummen Wege" zum persönlichen Berufsglück zu umreißen. Die 29-Jährige

"Als ehemalige Studentin der spanischen, französischen Literatur und der Philosophie flüchtete ich mich aus Furcht vor Desillusionierung auf dem Arbeitsmarkt in unterschiedlichste Jobs. Von Jobs in Bäckereien über Messehostess-Tätigkeiten verlor sich der rote Faden meines beruflichen Ziels immer mehr. Ansteigende Semesterzahlen, vorbeiziehende 24-jährige Unternehmensberater lösten in mir enorme intellektuelle Minderwertigkeitskomplexe aus. Ein Dissertationsangebot nahm ich an, um nach einem Jahr wieder abzubrechen. Die leuchtend geträumte Universitätskarriere verlor sich, neue berufliche Visionen wollten nicht entstehen. Statt dessen fand ich mich als Vollzeitverkäuferin in einem exklusiven Strumpfhosenladen wieder, gab Kundinnen philosophische Lebensweisheiten mit auf den Weg und übte mich in Verdrängungstrategien. Doch gerade dieser Job ließ mich mein großes kommunikatives Potenzial entdecken. Eine Kundin ermöglichte mir ein Stipendium, um nach 15 Semestern ohne finanzielle Probleme mein Studium abzuschließen. Doch nach mehr als 25 Absagen glaubte ich mich endgültig karrieristisch verloren. Ein Praktikum in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Theaters Berlin gab mir Auftrieb und schenkte mir eine neue berufliche Vision. Zurzeit arbeite ich an diversen Projekten und nehme an einer Weiterbildung zur PR-Referentin teil. Heute weiß ich, dass ein bunter Lebenslauf eine große Chance darstellen kann, denn: Umwege führen manchmal zu ungeahnten Zielen."

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