JÖRG THADEUSZ Journalist : packen Wir aus

Der eine freute sich über die Maschinenpistole, die andere sehnte sich nach dem Kaufmannsladen. Sechs Prominente haben sich für uns an ihre schönsten Weihnachtsgeschenke erinnert.

Foto: picture alliance / dpa

Im Jahr 1990 bin ich bei den Grünen rausgeflogen. Wegen meiner angeblich reaktionären Haltung in der Frauenfrage. Auf diesem Foto vom Weihnachtsfest 1972 ist genau zu sehen, dass ich schon im Alter von vier Jahren ein moderner Mann war. Der seine Aufgaben im Haushalt ernst nimmt und mitnichten glaubt, es gäbe zu Hause irgendetwas, das naturgemäß Frauensache sei. Vor vier Jahren habe ich mich selbst für erfolgreiche 25 Jahre am Bügelbrett ausgezeichnet.

Zu Hause haben sich Weihnachten immer alle schön angezogen, hastig viel getrunken und sich dann die Sachen gesagt, die sie sich über das Jahr nur hatten spüren lassen. Bis Mädchen in mein Leben traten, hielt ich Weihnachten für die großartigste Sache der Welt. Ich bin heute noch begeistert und freue mich, wenn ich meine maßlose Verschwendungsbereitschaft auch noch als Konjunkturimpuls rechtfertigen kann. Angst und bange wird mir nur, wenn mir Menschen wie Margot Käßmann ins Gewissen reden, ich müsse Weihnachten unbedingt besinnlich sein. Sonst wäre nämlich der liebe Gott böse.

Weihnachten soll ein Fest sein. Wenn es nicht anders geht, eher ein Termin für schlimme Witze, als für bedrückende evangelische Einkehr. Diesem Geist folgend schenkte mir vor mehr als 15 Jahren eine Frau zu Weihnachten eine kleine, gegipste Skulptur. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich die Plastik als Arsch mit Ohren. Selbstverständlich war ich tief getroffen und wendete mich schmerzverzerrt dem warm gemachten Alkohol zu.

Schließlich war ich in die Dame unglücklich verliebt.

Weihnachten werde ich zusammen mit ihr feiern. Und wir werden uns an unsere Hochzeit in diesem vergehenden Jahr erinnern.

Jörg Thadeusz, 43, moderiert die Talkshow „Dickes B“ im RBB und hat den Roman „Die Sopranistin“ geschrieben.

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