Zeitung Heute : Johansson greift Blatter an

Der Tagesspiegel

Port-of-Spain (sid). Die Machtkämpfe im Weltfußball-Verband Fifa setzen sich in aller Schärfe fort: Fifa-Präsident Joseph Blatter sieht sich nach seinem Alleingang und der Auflösung eines internen Ausschusses starker Kritik durch Lennart Johansson, den Chef der Europäischen Fußball-Union (Uefa), ausgesetzt. „Wären die Finanzen der Fifa in guter Verfassung, hätte es dieses Schritts wohl kaum bedurft, so aber bleiben große Zweifel“, sagte der Schwede Johansson der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Gleichzeitig hat Fifa-Vizepräsident Jack Warner den Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen zum Rücktritt aufgefordert. Warner, ein enger Vertrauter Blatters, wirft dem Schweizer Zen-Ruffinen vor, Blatter vor der Präsidenten-Wahl am 29. Mai in Seoul gegen den Kameruner Issa Hayatouu nicht genügend zu unterstützen. Warner ist allerdings in der Fifa selbst höchst umstritten, weil er aus undurchsichtigen Gründen eine steile Karriere gemacht hat.

Die Fifa kommt nach dem von Blatter ausgelösten Eklat immer noch nicht zur Ruhe. Eigenmächtig hatte der 66-Jährige den Ausschuss aufgelöst, der die finanzielle Situation der Fifa untersuchen sollte. Dieses so genannte „Ad-hoc-Komitee“ war erst im vergangenen Monat von der 24-köpfigen Fifa-Exekutive, der Regierung des Weltverbandes, durchgesetzt und eingerichtet worden – gegen den Widerstand Blatters. Die Mitglieder des sechsköpfigen Untersuchungs-Ausschusses sowie der Fifa-Exekutive erhielten von Blatter ein Schreiben, in dem der Schweizer die Kontrolle für beendet erklärte. Dem Komitee-Vorsitzenden David Will (Schottland), der zur Befragung von Fifa-Finanzchef Urs Linzi in Zürich weilte, drückte er das Papier gleich in die Hand.

„Etwas Vergleichbares hätte nicht einmal Havelange gemacht, und der war nicht als Demokrat bekannt“, schimpfte Johansson in der „FAZ“ über das diktatorische Vorgehen des Fifa-Chefs. Der Uefa-Präsident macht sich nun für eine außerordentliche Exekutivkomitee-Sitzung stark. Gleichzeitig appellierte er an die führenden europäischen Verbände, ihre Absicht, Blatter zu unterstützen, nochmals zu überdenken: „Italien, Frankreich und Deutschland sollten sich nun fragen, ob sie Blatter wirklich am 29. Mai in seinem Amt als Fifa-Präsident bestätigen wollen.“ An Gerhard Mayer-Vorfelder, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, gerichtet, fügte Johansson hinzu: „Deutschland sollte nie vergessen, dass es ohne die Unterstützung durch die Uefa die WM 2006 nicht bekommen hätte.“ Mayer-Vorfelder will Blatter unterstützen.

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