Zeitung Heute : John Irvin führte Regie in dem US-Zweiteiler

Uta-Maria Heim

Arche Noah - Das größte Abenteuer der Menschheit. RTL. In der Bibel liest sich die Geschichte von Noah und seiner Arche fast schnörkellos. Noah war kein Amerikaner. Zum Glück, denn wie die Schöpfung dann aussehen würde, das wissen wir jetzt: Opulent dekadent. Gott hätte zuerst unsere westlichen Normen erschaffen und dann die Menschheit so lange ausgerottet, bis sie hineinpasst. Ganz am Ende stünden dann wir, auf uns selbst zurückgeworfen in den Werbepausen, wo wir mit Spots für Internetverbindungen und Coca-Cola sintflutartig überschüttet werden.

Blasphemischer Gedanke. Man darf froh sein, dass John Irvin, der in diesem US-Zweiteiler Regie führte, die Bibel nicht geschrieben hat. Aber vielleicht sollte man ihn für die kitschige Dramatisierung nicht allein verantwortlich machen. Vielleicht ist an diesem von kleinkindlichen Größenphantasien angeleiteten Werk einfach nur "Milli" schuld ("Milli", nach "Sofi" die neueste Allmachtsgestalt am Neudeutsch-Himmel, steht für "Millennium"). Tröstlich bleibt, dass wir trotz Globalisierung auch auf der Schwelle zum 21. Jahrhundert in unserem ästhetischen Empfinden immer noch keine Amerikaner sind.

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