Zeitung Heute : Johnson Controls: Sensorsitze und Kommunikationszentrum

Bodo Richerts

Autos gehören fest in unseren Alltag. Und dabei nimmt die im Auto verbrachte Zeit zu. Doch sie soll sinnvoll genutzt werden. So wird die Reisezeit im Auto entweder Freizeit, zur Arbeitszeit oder zur Zeit für die Kommunikation mit Hilfe modernster Medien. Damit man allerdings entspannen, arbeiten, im Internet surfen oder telefonieren kann, muss der Innenraum der Autos darauf vorbereitet sein. So muss es zum Beispiel möglich sein, verschiedene Kommunikationsmittel wie Telefon, Internet oder elektronische Notizbücher mit dem automobilen Innenraum zu verbinden. Dabei wird das Auto gewissermaßen zur kommunikativen Schnittstelle zur Außenwelt und zugleich zu einem kommunikativen Raum für sich - ein mobiles Büro und ein mobiles Zuhause, in dem gearbeitet, gespielt, geredet oder auch "nur" gefahren wird.

Wie muss ein Fahrzeuginnenraum aussehen, in dem all das möglich ist? Eines der interessantesten Modelle für einen solchen Innenraum kommt von einem der größten Automobilzulieferer, der mit praktisch allen großen Herstellern zusammenarbeitet und sie unter anderem mit Sitzen, Dachhimmeln, Türverkleidungen, Cockpits und kompletten Innenraumsystemen beliefert - von Johnson Controls Automotive Systems. Von den 65 000 Mitarbeitern dieses amerikanischen Zulieferer-Riesen mit 275 Standorten, der weltweit gut 12,1 Milliarden Dollar umsetzt, sind 23 000 in 90 Standorten in Europa beschäftigt. Und wer einmal durch die Industrieparks mit den Zulieferern fährt, die in der Nähe großer Automontagewerke angesiedelt sind, wird, ob bei Audi, BMW, Mercedes-Benz, Ford, Opel oder Volkswagen dabei mit Sicherheit auf ein Werk von Johnson Controls stoßen, das Sitze und andere Innenraumausstattungen Just in Time produziert und an die Montagebänder liefert.

Diese herausragende Rolle als Innenraumausstatter gibt Johnson Controls die nötige Kompetenz, sich, wie in der in diesem Herbst fertiggestellten Studie Kion demonstriert, Gedanken über den Innenraum unserer Personenwagen in der näheren Zukunft zu machen. Und dabei sind auch einige Lösungen entwickelt worden, die den Forderungen nach mehr Kommunikation und Unterhaltung im Auto ebenso entgegenkommen wie nach verbessertem Komfort für Arbeit und Entspannung sowie nach besonders geschickten und variablen Transportlösungen. Zwei Vorschläge zur Kommunikation und modernen Sitzgestaltung wollen wir hier einmal herausgreifen.

Mobile Kommunikation und Information ist ein besonderer Schwerpunkt der Studie Kion, in deren Zentrum sich auch das soziale und elektronische Zentrum dieses Konzeptautos findet, in dem wie in einem klassischen Wohnraum alle Passagiere an einem Tisch zusammenkommen. Im Kommunikationszentrum können persönliche Speichermedien in Form von Scheckkarten ins Computersystem eingespeist werden - mit Hilfe von Plug-in-Modulen über die die Software des zentralen Rechners entsprechend umgerüstet werden kann. Nutzen mehrere Personen das Fahrzeug, kann der Computer benutzerspezifisch konfiguriert werden.

Zu den Hauptelementen dieses Systems gehören Kommunikations-Säulen sowohl beiderseits der Instrumententafel als auch beiderseits der Rückbank. Damit hat jeder Passagier seine individuell nutzbare Säule mit individuell nutzbarem Display, mit Mikrofon, Lautsprechern und Anschlüssen für Laptop und elektronische Notizbücher. Mit dem zentralen System verbunden sind diese Säulen allerdings nicht über zahllose Kabel, sondern mit Hilfe der modernen drahtlosen Datenübertragungstechnik Bluetooth. So hat jeder Passagier jederzeit Zugriff auf die zentrale Software im Fahrzeug. Und da das Kommunikationszentrum mit dem transportablen Video-Unterhaltungssystem AutoVision ausgestattet ist, können die Beifahrer während der Fahrt fernsehen, Videospiele nutzen oder im Internet surfen.

Doch Infotainment - mobile Kommunikation, Information und Unterhaltung ist nur ein, wenn auch ein zentraler Aspekt, der aktuellen Innenraumstudie, bei der natürlich auch die Formgebung ein wichtiges Element ist. So setzt Johnson Controls auf eine besonders freundliche und warme Farbgebung und eine zeitgemäße Innenarchitektur, die sich an eine moderne offene und helle Wohnraumgestaltung mit klaren Linien anlehnt, so dass man sich in diesem Auto wie zu Hause fühlen kann.

Mit eingebracht in das neue Innenraumkonzept hat Johnson Controls seine großen Erfahrungen in der Sitzgestaltung. Und mit dem im Kion verwirklichten sogenannten intuitiven Komfortsitz stellt das Unternehmen eine völlig neue Technik der Sitzanpassung an die individuellen Bedürfnisse jedes Passagiers vor. Statt die bislang üblichen Versteller für die Längs-, Lehnen- und Höheneinstellung zu bedienen, lässt man die Sitze nach dem Platznehmen elektrisch eine nach den Durchschnittswerten der Körpergrößen von unterschiedlichen großen Männern und Frauen ermittelte Kurve aller Sitzpositionen abfahren. Hat man die für sich passende Position gefunden, wird der Sitz angehalten. Nun folgt als zweiter Schritt eine Feineinstellung. Hierbei passen sich Sitzkissen und Rückenlehne, die mit einem speziellen Sensorbezug versehen sind, automatisch den Körperwegungen an - man muss also weder Knöpfe noch Hebel bedienen, sondern sich einfach so lange im Sitz bewegen, bis man seine optimale Position gefunden hat, an die der Sitz mit Hilfe der sensorgesteuerten Verstellmotoren exakt angepasst wird. Neu ist zudem die Verankerung der Sitze im Fahrzeug, die nicht mehr in Sitzschienen bewegt werden, sondern über drei Füße mit integrierten Gelenken fixiert sind, so dass sich die Sitzhöhe und der Abstand zum Lenkrad optimal einstellen lassen.

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