JORDANIEN : JORDANIEN

Einwohner:

6,3 Millionen

Staatsform:
Monarchie

Staatschef: König Abdullah II.

Besonderheiten: ziemlich homogene sunnitische Bevölkerungsstruktur und Meister im Abfedern von Konflikten in Nachbarländern

König Abdullah II. hat sich mit Stellungnahmen zu Syrien lange zurückgehalten. Als die Golfstaaten und die USA, engster Verbündeter des Königreiches, im Herbst das Regime von Baschar al Assad zu attackieren begannen, zog Jordanien nach: Abdullah war der erste arabische Staatschef, der im November 2011 den Rücktritt Assads forderte – in der britischen BBC. Damit stellte er sicher, dass die US-Gelder für politisches Wohlverhalten weiter fließen. Außerdem will Jordanien aus wirtschaftlicher Not näher an die reichen Golfstaaten rücken, die sogar eine Aufnahme des Wüstenstaates in den Golf-Kooperationsrat prüfen. Deshalb kann Jordanien diese Staaten nicht verprellen. Zudem will Abdullah II. nie wieder so isoliert dastehen wie im ersten Golfkrieg, nach der Invasion des Irak in Kuwait, als sein Vater nicht der arabisch-amerikanischen Kriegsallianz beitrat. Anders als der Libanon und der Irak hat Jordanien eine relativ homogene sunnitische Bevölkerung und ist daher den konfessionellen Verwerfungen weniger ausgesetzt.

Doch in Jordanien sind die Islamisten die treibende Kraft für Reformen – und sie unterstützen auch die Aufständischen in Syrien, deren Bewegung immer stärker islamisiert zu sein scheint. Damit wird die Solidarität mit der syrischen Demokratiebewegung gefährlich für den König, der viel von politischen Reformen redet, aber wenig durchsetzt. Stattdessen entlässt er regelmäßig die Regierungschefs. Ein Umsturz in Syrien, nach dem die sunnitische Bevölkerungsmehrheit wieder stärkeren Einfluss haben würde, hätte wohl gleichzeitig eine Stärkung der islamistischen Opposition in Jordanien zur Folge. Nachdem Tunesien und Ägypten bereits das bisherige „Musterland“ Jordanien im politischen Reformprozess überholt haben, steht König Abdullah seit dem Ausbruch des Aufstands in Syrien unter noch größerem Handlungszwang. an

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