Zeitung Heute : Juanito, Balg mit Babyspeck

Wir präsentieren die WM-Maskottchen von einst und heute. Diesmal: Juanito, einen kleinen Kicker, der 1970 in Mexiko das Jahrzehnt der Figuren mit menschlichem Antlitz einläutete.

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Ein Knabe im Trikot der mexikanischen Nationalmannschaft stoppt mit dem rechten Fuß einen Ball. Darüber kann man erst einmal nicht meckern, Ballstoppen gehört zum Fußball dazu. Aber der Knabe grinst in einer beinahe schon anbiedernden Art in eine imaginäre Kamera. Das ist unglaubwürdig, so schaut kein Dribbelkönig, der ernst genommen werden will. Zumal es auch keine Kamera gibt, denn der kleine Juanito ist nur eine Zeichnung.

Der Entwurf scheint dem Designer etwas entglitten zu sein, denn Juanito ist eindeutig zu jung für echten Männersport. Seine Körperproportionen pendeln zwischen einer Babyspeck-Spätphase und dem aktuellen Ronaldo. Man muss es hier einmal in aller Deutlichkeit ansprechen: Das Balg hat vermutlich noch nie eine Turnhalle von innen gesehen, für Leistungssport ist es nun wirklich zu pummelig.

Und wie man mit einem überdimensionalen Sombrero vernünftig zum Kopfball hochsteigen soll, war Juanitos geistigen Vätern ebenfalls reichlich schnuppe. In einem Punkt aber hatten die Zeichner ein feines Gespür für künftige Modewirrungen: Juanito trägt nämlich bereits 1970 bauchnabelfrei.

Den im Vorfeld optimistischen Gastgebern der WM brachte der Kerl kein Glück. Ausgerechnet beim besten Turnier aller Zeiten, wie Zeitzeugen berichten, und die müssen es wissen, denn die meisten von ihnen waren ja dabei damals, scheiterte Mexiko bereits im Viertelfinale. Und das auch noch recht deutlich mit 1:4 gegen Italien. Wäre Juanito doch nur flotter gewesen ...

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