JUBILÄUM HEUTE : Nr. 14 000

Am 13. Oktober 1991 meldet der Tagesspiegel ein Feuer im Turbinenraum eines Blocks des Atomkraftwerks Tschernobyl.

Andreas Conrad

Am 20. August 2008 erscheint

die 20 000. Ausgabe des Tagesspiegels.

Aus diesem Anlass drucken wir

bis zum 19. August jeden Tag

auf der Medienseite ein Faksimile

jeder 1000. Titelseite.

Die Sowjetunion? Doch, es gibt sie noch, aber nicht mehr lange, kein Hilfsprogramm könnte sie mehr retten. Eigentlich ist sie seit dem Putschversuch gegen Gorbatschow vom 19. August tot, führt nur noch ein Scheinleben und wird kurz vor Jahresende endgültig abgewickelt. Aber was sind schon wenige Monate gegenüber der Halbwertszeit der tödlichen Stoffe, die im Inneren des zerstörten Reaktors von Tschernobyl vor sich hin strahlen. Am 26. April 1986 ist dort einer von vier Blöcken in die Luft geflogen, die größte Katastrophe bei der zivilen Nutzung der Kernkraft. Zwar konnte der nukleare Schrottberg unter einem „Sarkophag“ aus Beton vergraben werden, als sicher gilt er nicht, doch auf eine dauerhafte Lösung muss man auch zwei Jahrzehnte später noch warten.

Und jetzt hat es wieder eine Havarie gegeben, wie der Tagesspiegel auf dem Titel von Nr. 14 000 am 13. Oktober 1991 meldet: Feuer im Turbinenraum eines der drei noch arbeitenden Blocks, bei weitem nicht so dramatisch wie fünf Jahre zuvor, aber das Maß ist voll. Dieser Reaktor wird nie wieder ans Netz gehen, die übrigen beiden werden 1996 und 2000 abgeschaltet.

Auch ohne radioaktive Havarien bleibt die Weltlage brisant. Die Hoffnung, dass sie mit dem Ende des Kalten Krieges etwas friedlicher würde, hat sich in Nichts aufgelöst. Erst der Golfkrieg Anfang des Jahres, nun die Kämpfe auf dem Balkan. Slowenien hat sich im Sommer nach kurzen Auseinandersetzungen aus dem alten Jugoslawien herauslösen können, doch in Kroatien geht die unerbittliche Selbstzerfleischung des alten Vielvölkerstaates erst richtig los. Andreas Conrad

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