JUBILÄUMSAUSSTELLUNG100 Jahre Märkisches Museum : Gefühlte Zeit

Christina Tilmann

Seit seiner Wiedereröffnung im Oktober 2006 zieht das Bode-Museum auf der Spitze der Museumsinsel die Besucherströme an – nicht nur wegen der Schätze der Skulpturengalerie, sondern mindestens ebenso sehr wegen der großartigen Raumschöpfungen Ernst von Ihnes. Dem etwas vergessenen Märkischen Museum im Köllnischen Park am Ufer der Spree könnte ein ebensolcher Erfolg beschieden sein, zumindest was die Raumwirkungen angeht. Hat der Berliner Architekt Ludwig Hoffmann, der den Backsteinbau 1908 konzipierte, doch mindestens so stark wie sein Kollege von Ihne auf stimmungsvolle Zeiträume gesetzt: mit der großen Halle, der Waffenhalle, der gotischen Kapelle, die die mittelalterlichen Skulpturen aufnahm, sowie dem Innungsraum und dem Spreewaldzimmer.

Die 100 Aufnahmen, die der Fotograf Ernst von Brauchitsch vom gerade eröffneten Bau anfertigte, geben einen Eindruck von der damaligen Pracht. Spolien, Architekturfragmente wurden in die über 50 Räume integriert, immer nach der Vorgabe, dass die Form zum Inhalt, der Raum zu seinen Objekten passen sollte: „Bei der Anfertigung des Bauentwurfs war der Gedanke maßgebend, die verschiedenartigen Ausstellungsstücke in einer ihrer Eigenart entsprechenden räumlichen Umgebung und Belichtung zur Erscheinung zu bringen“, schrieb Ludwig Hoffmann. Zwar ging es im Märkischen Museum nicht um die internationalen Spitzenstücke, die auf der Museumsinsel präsentiert wurden, sondern um die Funde aus der umliegenden Mark Brandenburg. Doch Hoffmann präsentiert sie wie ebenbürtige Schätze. Christina Tilmann

Märkisches Museum, bis Fr 1.2.2009, Di-So 10-18, Mi 10-20 Uhr, 4 €, erm. 2 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben