Zeitung Heute : Jüdische Touristen attackiert

Der Tagesspiegel

Nach den Anschlägen auf Synagogen in Frankreich und Belgien verlangte der Zentralrat der Juden in Deutschland am Dienstag schärfere Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen auch in Berlin. Derartige Anschläge könne es auch in Deutschland geben, warnte der Vizepräsident des Zentralrats, Michel Friedman. Die Berliner Polizei allerdings sagte, die Sicherheitsvorkehrungen seien seit dem 11. September auf einem sehr hohen Niveau: „Wir halten diese sehr sehr hohen Sicherheitsmaßnahmen weiterhin aufrecht“, sagte ein Polizeisprecher. Am Sonntag allerdings wurde ein jüdischer Berlin-Besucher aus New York auf dem Kurfürstendamm von Jugendlichen angegriffen und verprügelt.

Die gesamte Situation in Deutschland werde vor allem nach den Anschlägen in Frankreich während der Osterfeiertage genau beobachtet, sagte der Polizeisprecher. Bisher gebe es jedoch keine Erkenntnisse, dass Ähnliches wie in Frankreich auch in Berlin passieren könne.

Wie berichtet, werden sowohl die Synagoge an der Oranienburger Straße in Mitte als auch die Israelische Botschaft in Schmargendorf von bewaffneten Polizisten bewacht. Der Gehweg vor der Synagoge ist für Passanten gesperrt, sie müssen über einen abgesperrten Teil der Straße. Für Besucher und Gläubige ist die Synagoge jedoch geöffnet. Die US-Botschaft an der Neustädtischen Kirchstraße in Mitte gleicht einer Festung. Bundesgrenzschutzbeamte sichern die weiß-roten Absperrgitter. Sie stehen bis zur Straße Unter den Linden.

Der Angriff auf den US-Touristen ereignete sich Sonntagabend gegen 21.40 Uhr in Höhe der Fasanenstraße. Der 21-Jährige kam in Begleitung eines gleichaltrigen Reisegefährten aus einer Synagoge an der Augsburger Straße. Beide wollten zu einem Rabbi, bei dem sie während ihres Berlin-Aufenthaltes wohnten. Sie waren durch Kleidung, Bart und Schläfenlocken unschwer als orthodoxe Juden erkennbar. An einem Internetcafé wurden sie von südländisch aussehenden Jugendlichen angepöbelt, ob sie Juden seien. Diese Frage verstand einer der beiden kaum Deutsch sprechenden Touristen und bejahte. Da stürzten sich mehrere Jugendliche auf ihn und schlugen ihn nieder. Als er am Boden lag, traten die Täter auf ihn ein. Er verlor dabei Brille und Kopfbedeckung. Der Besucher aus New York erlitt Verletzungen im Gesicht, die im jüdischen Krankenhaus behandelt wurden. Die beiden Besucher flogen gestern zurück in ihre Heimat. Die Angreifer entkamen. Die Polizei bittet Zeugen, sich zu melden (Telefon: 699 37 518). weso

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar