Zeitung Heute : Jürgen Trittin?

Matthias Meisner

„Namen sind Nachrichten“ besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Jürgen Trittin (Grüne) könnte nach der Wahl Fraktionsvorsitzender werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.

AMT: Viel zu bieten haben Grüne in der Opposition ihrem abgewählten Spitzenpersonal nicht. Die beiden Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Krista Sager wollen ihre Posten behalten. Und alle bei den Grünen sagen, dass auch Joschka Fischer die Herausforderung reizt, noch einmal die Führung der Bundestagsabgeordneten zu übernehmen. Andere laufen sich auch noch warm.

AMBITIONEN: Aber soll Jürgen Trittin mit 51 Jahren in der Versenkung verschwinden? Parteifreunde sagen, dass der Umweltminister „wie eine Raubkatze“ auf seine Chance wartet. Die könnte sich bei einem schlechten Abschneiden der Grünen ergeben – weil dann Fischer die Lust auf den Spitzenposten vergeht. Seit sieben Jahren ist Jürgen Trittin Umweltminister, zuvor war er vier Jahre lang Parteivorsitzender der Grünen. Er hat als „Dosenminister“ Beharrlichkeit gezeigt und den Atomausstieg vorangetrieben. So einer lässt sich ungern in die zweite Reihe versetzen.

AUSSICHTEN: Die Konkurrenz ist hart, und Parteifreunde können auch ganz schön gemein sein. Statt als Fraktionschef sieht mancher den Grünen mit der linken Vergangenheit schon als Nachfolger von Ralf Fücks im Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Doch dann würde Trittin wohl eher Parteichef Reinhard Bütikofer wegbeißen. Sein Notfallplan: Soll der doch Vordenker bei Böll werden – ich werde Vorsitzender.

WAHRSCHEINLICHKEIT: Strippenzieher sind immer gefragt. Notfalls müssen sie eine Weile im Hintergrund wirken.

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