Zeitung Heute : Jugendherberge Mirow 21: Alles Müsli oder was?

Anne-Kathrein Teubner

Soll es ein Zimmer mit Wald- oder Seeblick sein? Der Zivildienstleistende im weitläufigen, lichtdurchfluteten Foyer der Jugendherberge Mirow 21 in Mecklenburg-Vorpommern ist an verblüffte Gesichter gewöhnt. In Deutschlands erster "ökologischer Jugendherberge" kommt der Besucher aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Herbst vergangenen Jahres wurde sie als 600. Haus des Deutschen Jugendherbergswerks in Betrieb genommen und soll am 6. September, mit viel Prominenz und einem kleinen Volksfest in Mirow endlich auch offiziell eröffnet werden.

Harmonisch fügt sich der dreiflügelige, in Regenbogenfarben und einladendem Gelb gestrichene Neubau in ein herrliches Waldgrundstück am Mirower See ein. Vom ersten Stock des Hauptgebäudes, das einem offenen Forum gleicht und rechts und links von einem jeweils runden Seitenflügel - mal mit Blick auf den See, mal auf den Wald - flankiert wird, blickt man über ein üppig bepflanztes Dach auf ein blühendes Rapsfeld und die glitzernde Solaranlage. Ganz im Sinne der Agenda 21 von Rio de Janeiro werden Warmwasser und Wärme aus Sonne, Rapsöl und Holzhackschnitzeln gewonnen. Genügend Wärme also auch an kühlen Tagen, um die hellen, mit großen Fenstern ausgestatteten und in Pastellfarben gestrichenen Schlafräume zu heizen. Frieren ist auch in Jugendherbergen nicht mehr angesagt.

Ein Novum sind die Seminarräume mit wabenförmigem Grundriss, die neue pädagogische Ansätze zum "nachhaltigen Lernen", sprich: Kommunikations- und Teamfähigkeit, fördern sollen. Rückzugsmöglichkeiten bieten die Rotunden in den Seitenflügeln, zwei große Meditationsräume unterm Dach. Alle Möbel in der Herberge sind aus Holz gefertigt. Neben Holz wurde vor allem Kalksandstein, der laut Jugendherbergswerk "die beste Ökobilanz aufweist", für den Bau verwendet.

Fahrradverleih und Kanu-Basis

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) war von dem Konzept dieser sozio-ökologischen Jugendherberge so angetan, dass sie den Neubau mit drei Millionen Mark förderte. Mit den fünf Bungalows, die in Kürze bezugsfertig sein sollen und auch für Rollstuhlfahrer geeignet sind, belaufen sich die Baukosten auf rund acht Millionen Mark - so viel hätte auch eine neue Jugendherberge in herkömmlicher Bauweise gekostet, heißt es in der DJH-Zentrale in Detmold. Die alte Jugendherberge nebenan wurde gleichfalls umgestaltet. Im Bistro kommen - wie im Restaurant des Hauptgebäudes - überwiegend Produkte aus regionalem, ökologischem Anbau auf den Tisch.

Nach dem Motto "Gut drauf" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet Mirow 21 ihren Gästen neben gesunder Ernährung und Entspannung auch viel Bewegung an der frischen Luft. Auf dem Gelände der Jugendherberge gibt es Sportanlagen, eine Badestelle sowie eine Kanu-Basis. Von hier starten mehrtägige, geführte Touren auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Auch ein Fahrradverleih ist gleich nebenan, und das Städtchen Mirow (von slawisch: Miru - Frieden) liegt nur einen knappen Kilometer entfernt.

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