Zeitung Heute : Jung und erfolglos

Egon Boesten

Alles war auf diesen einen Lauf abgestimmt: das Sommertraining, die Höhentrainingslager, die Wettkämpfe vor Salt Lake City. Über 1500 Meter wollte Christian Breuer zeigen, dass nicht nur die deutschen Damen, sondern auch die Herren olympische Medaillen holen können. Der US-Amerikaner Parra, der Niederländer Uytdehaage und der Norweger Söndral sind zwar noch eine Klasse besser als Christian Breuer aus Grefrath - dennoch fiel in Salt Lake City im Vorfeld der so genannten Eisschnelllauf-Meile immer wieder der Name Breuer.

Und als der 26-Jährige auf das Transparent mit der Aufschrift "Go Breuer", das auf der Tribüne ausgerollt war, zufuhr, hatte er mit 23,54 Sekunden eine exzellente Auftaktzeit hingelegt, die zu allen Hoffnungen berechtigte. Nach 700 Metern allerdings war für den Politikstudenten der Fernuniversität Hagen alles vorbei. Er rutschte aus - warum, ist immer noch nicht ganz geklärt - und schlitterte gegen die gepolsterte Bande.

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Tagesspiegel: Alle Berichte von den Olympischen Winterspielen
Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Nach einer Kernspintomographie und Röntgen-Aufnahmen in der Klinik des Olympischen Dorfes wurden eine leichte Schädelprellung, eine Zerrung der Halswirbelsäule und des Nackens sowie eine Prellung der Lendenwirbelsäule und des Beckens diagnostiziert. "Es gibt aber keine inneren Verletzungen oder Knochenbrüche. Es wird nichts zurückbleiben. Möglicherweise kann Christian schon beim Weltcup-Finale in Inzell wieder am Start sein", sagte Teamarzt Volker Smasal. "Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Natürlich spüre ich noch Schmerzen in Rücken und Nacken. Aber es ist gut zu wissen, dass es nichts Schlimmeres ist", sagte Breuer.

Erleichterung einerseits - Enttäuschung andererseits: Auch von einer bitteren Stunde war die Rede - besonders "für so einen jungen Athleten". Joachim Franke, der Breuer anstelle von dessen Heimtrainern bei Olympia betreut, weiß, wie sehr ein Umfaller schmerzen kann. "Der Christian würde lieber mit einer Platzierung dastehen als mit der Erinnerung an einen Sturz. Das ist eine ganz schön harte Geschichte. Wir hatten keine kühnen Erwartungen, aber Deutschen Rekord wollten wir erreichen. Jetzt steht Christian ohne Ergebnis da. Das ist das Schlechteste, was einem jungen Athleten passieren kann." Breuer selbst blieb stumm. Teamsprecher Hanke sagte in Breuers Namen, er wolle nichts sagen, dafür solle die Presse doch bitte Verständnis aufbringen.

Dafür redete Derek Parra. Der US-Amerikaner gewann die Goldmedaille in der Weltrekordzeit von 1:43,95 Minuten. Damit wurde in fünf der bislang sieben Wettbewerbe auf dem Utah Olympic Oval der Weltrekord verbessert. Parra hatte Silber über 5000 m gewonnen. Silber ging diesmal an Jochem Uytdehaage aus den Niederlanden, der schon die 5000 m gewonnen hatte. Uytdehaage hatte über 1500 m zunächst den Weltrekord auf 1:44,57 Minuten verbessert, doch dann lief Parra eine noch bessere Zeit. Bronze gewann der Norweger Adne Söndral.

Und die anderen Deutschen? Nichts Aufregendes. Der Inzeller Jan Friesinger blieb in 1:50,26 Minuten deutlich über seiner persönlichen Bestzeit und war kaum schneller als Langstrecken-Spezialist Frank Dittrich aus Chemnitz, der in 1:51,02 Minuten beachtlich lief. Jens Boden aus Dresden verzichtete wegen einer leichten Halsentzündung auf einen Start.

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