Zeitung Heute : Jung, weiblich, ostdeutsch

Albert Funk

CDU-Chefin Angela Merkel soll am heutigen Montag zur Kanzlerkandidatin gekürt werden. Was waren die Schritte und Hürden auf ihrem Weg zur Macht?

Anfänge in der DDR

Die politische Karriere von Angela Merkel beginnt im Dezember 1989 in einer der neuen DDR-Parteien, dem Demokratischen Aufbruch (DA). Der DA wird Teil der „Allianz für Deutschland“, des Versuchs von Helmut Kohl, die Blockpartei CDU mit zwei unbelasteten Parteien zu garnieren. Merkel wird Pressesprecherin des DA.

Die Regierungssprecherin

Nach dem Sieg der „Allianz“ bildet Lothar de Maizière die neue DDR-Regierung, Merkel wird stellvertretende Regierungssprecherin und ist damit in den Kabinettsrunden dabei. Ende 1990 tritt Merkel der CDU bei.

Politische Basis an der Küste

Zu Merkels Förderern gehört Günther Krause, der spätere Bundesverkehrsminister. Er verschafft ihr den Wahlkreis Stralsund-Nordvorpommern- Rügen, den sie seit 1990 im Bundestag direkt vertritt. Der kleine Landesverband Mecklenburg-Vorpommern wird ihre politische Heimat – was bedeutet, dass sie praktisch ohne Hausmacht ist. Landeschefin ist sie von von 1993 bis 2000.

Kohls Mädchen

Im Januar 1991 macht Kohl die unerfahrene Merkel zur Ministerin für Frauen und Jugend. Ihre Ernennung bewertet sie illusionslos: „Jung, weiblich, ostdeutsch.“ Auf ihre Amtszeit geht der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz zurück.

Reifeprüfung

Nach der Wahl 1994 wird Merkel in ein zentraleres Ressort befördert: Ihre Reifeprüfung findet im Umweltministerium statt. Gleich zum Auftakt schickt sie den einflussreichen Staatssekretär des Ressorts in den Ruhestand. Sie tritt für die Besteuerung von Flugbenzin und eine Ökosteuer ein. 1995 leitet sie die Berliner Klimaschutzkonferenz, mit der der weltweite Prozess zur Reduzierung der Treibhausgase beginnt. Im Streit um Castor-Transporte – mal gegen die rot-grüne niedersächsische Regierung, mal gegen die Atomindustrie – gewinnt sie Profil. Sie bleibt Befürworterin der Kernenergie.

Die Generalin

Die Wahlniederlage der CDU 1998 bringt einen weiteren Karriereschub: Merkel wird CDU- Generalsekretärin unter Wolfgang Schäuble. Die „Erfurter Leitsätze“ zur Erneuerung der Partei sind ihre programmatische Meisterprobe. An der Basis mag man sie, die Funktionäre lieben sie nicht. Im Dezember 1999 fordert sie die CDU in einem Zeitungsbeitrag auf, sich von Kohl zu lösen, der sich in die Spendenaffäre verstrickt hat.

Die Parteichefin

Nachdem auch Schäuble in die Affärenmühle gerät, wird Merkel im April 2000 CDU-Chefin. Fraktions- und damit Oppositionschef wird Friedrich Merz. Der ist als Anhänger Edmund Stoibers aber außen vor, als es für die Wahl 2002 um die K-Frage geht. Merkel will antreten, Widerstand in der eigenen Partei aber zwingt sie zum Verzicht im berühmten Frühstück bei Stoiber in Wolfratshausen. Ihre Bedingung: der Fraktionsvorsitz nach der Wahl. Den bekommt sie nach Stoibers Niederlage. Merz verabschiedet sich schrittweise.

Meisterstücke

In der K-Frage mit Blick auf 2006 bleibt Merkel dennoch nicht unangefochten. Das als programmatisches Meisterstück gedachte Gesundheitsreformkonzept wird im Streit mit Stoibers CSU zerrieben. Doch Anfang 2004 boxt sie ihren Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, Horst Köhler, durch. Der CDU-Sieg in NRW nach 39 Jahren SPD-Herrschaft krönt die Serie der Wahlerfolge unter Merkel.

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