Zeitung Heute : Junge Bäume und alte Sorten

Beim Kauf von Gehölzen sollte man auf gut entwickelte Triebe und ein kräftiges Wurzelwerk achten

Vor dem Einpflanzen steht das Auswählen. Jede Pflanze sollte ein Etikett mit Name, Anzuchtform, Verpflanzungsmerkmalen und Sortierung tragen. In guten Gartencentern gehört außerdem fachkundige Beratung zum Service. Foto: Westend61/vario images
Vor dem Einpflanzen steht das Auswählen. Jede Pflanze sollte ein Etikett mit Name, Anzuchtform, Verpflanzungsmerkmalen und...Foto: Westend61 / vario images

Gartencenter bieten im Frühjahr wieder ein üppiges Sortiment an Obst- und Ziergehölzen an. Die Qualität ist sehr unterschiedlich – und nicht immer befriedigend. Zwischen qualitativ hochwertigen Pflanzen kann sich so manche faule Nuss eingeschlichen haben. Deshalb sollten Käufer auf bestimmte Merkmale achten, die in den „Gütebestimmungen für Baumschulpflanzen“ festgelegt sind.

Jede Pflanze muss ein Etikett mit folgenden Informationen tragen: Name (Gattung, Art bzw. Sorte), Anzuchtform, Verpflanzungsmerkmale (etwa „zwei Mal verpflanzt mit Ballen“) und Sortierung (zum Beispiel Größe, Stärke, Anzahl der Triebe). Bei Obstgehölzen sind zusätzliche Angaben zu Unterlage und Stammbildner erforderlich. In guten Gartencentern gehört außerdem eine fachkundige Beratung zum Service.

OBSTGEHÖLZE

Der Kauf beginnt bei der richtigen Sortenwahl. Geschmack und Reifezeit ist das eine, die zu erwartende Größe und Wuchsform der Obstbäume das andere. Steht wenig Raum zur Verfügung, empfehlen sich Spindeln, Spindelbüsche oder Niederstämme. Wer genügend Platz hat oder einen Schattenspender sucht, greift zu Halb- oder Hochstämmen.

Die Unterlage, auf der die Sorten veredelt wurden, findet meist wenig Beachtung – dabei ist sie entscheidend für den Wuchs der Bäume. Besonders wichtig ist das beim Apfel. Schwach wachsende Unterlagen wie M 9 oder M 26 sorgen dafür, dass die Gehölze nicht zu groß werden. Stärker wachsende Unterlagen sind zum Beispiel M 4 oder MM 106. Als Richtwerte für die Stammhöhen gelten bei Büschen und Spindelbüschen 40 bis 60 Zentimeter, bei Niederstämmen 80 bis 100 Zentimeter, bei Halbstämmen 100 bis 120 Zentimeter und bei Hochstämmen 160 bis 180 Zentimeter. Was die Anzahl der Triebe betrifft, so müssen mehrjährige Bäume von Kern- und Steinobst mindestens vier kräftige Triebe enthalten; eingeschlossen ist hier der Leittrieb in der Mitte. Der Konkurrenztrieb unmittelbar neben dem Leittrieb zählt nicht; er sollte bereits entfernt sein.

Die Bewurzelung sollte gut sein und im richtigen Verhältnis zum oberirdisch gewachsenen Teil stehen. Wünschenswert sind einige Haupt-, mehrere Neben- und zahlreiche Faserwurzeln, die nicht zu stark eingekürzt wurden. Da Obstgehölze häufiger ohne Erdballen verkauft werden, dürfen die Wurzeln nicht sichtbar ausgetrocknet sein. Sonst ist das Anwachsen ein Risiko.

Auch bei Beerenobstgehölzen gibt es Qualitätsrichtlinien. Bei Stachel- und Johannisbeeren ist es legitim, ein- oder zweijährige bewurzelte Steckhölzer anzubieten. Bei einjähriger Ware sollten die Triebe mindestens 15 Zentimeter lang sein. Unter den zweijährigen Sträuchern erwartet man mindestens 40 Zentimeter lange Triebe bei Johannisbeeren und 35 Zentimeter lange Triebe bei Stachelbeeren. Beerenhochstämme müssen mindestens drei (Johannisbeeren) oder vier (Stachelbeeren) gut entwickelte Triebe haben und sollten 80 bis 90 Zentimeter Stammhöhe aufweisen. Bei Himbeeren und Brombeeren ist außer kräftigen gesunden Ruten auch ein guter Ansatz von Wurzelknospen wichtig.

Obstgehölze werden auch als Containerpflanzen angeboten. Der Vorteil: Sie können außerhalb der üblichen Pflanzzeiten in den Boden und wachsen auch leichter an. Da die Anzucht bedeutend aufwendiger ist, kosten sie rund dreimal mehr als Pflanzen ohne Erdballen. Zu beachten sind Richtwerte für die Containergröße, die bei Kern- und Steinobst nicht unter zehn Liter, bei Stachel- und Johannisbeeren nicht unter vier Liter sowie bei Brombeeren und Himbeeren nicht unter 1,2 Liter Fassungsvermögen liegen sollte.

ZIERGEHÖLZE

Sie sind mit oder ohne Erdballen sowie im Container zu haben. Erwirbt man Jungpflanzen, sind das vor allem ein- und zweijährige Veredelungen ohne Erdballen. Immergrüne Laubgehölze, Koniferen sowie empfindliche schwachtriebige Gehölze wie Blumenhartriegel, Seidelbast, Scheinhasel und Zaubernuss sind oft älter und werden entweder mit Ballen oder im Container angeboten. Größere, ältere Pflanzen werden immer mit Ballen geliefert, der von einem Tuch umgeben ist. Hängt dieses mitsamt dem Substrat locker wie ein Sack herab, lässt man die Pflanze besser liegen; der Ballen ist dann nicht qualitätsgerecht.

Das A und O der Qualitätssicherung ist das mehrmalige Verpflanzen (Verschulen) in der Baumschule. Dabei zwingt man die Pflanze, ein kompaktes, gut verzweigtes System von vielen feinen Wurzeln zu bilden, wodurch ein optimaler Ballen erzielt wird. Das Anwachsergebnis im Garten hängt davon ab, wie dicht und kräftig das Wurzelwerk ist. Auch Exemplare mit ausgetrockneten Wurzeln gehören nicht in den Einkaufswagen. Das gilt besonders für Moorbeetpflanzen wie Rhododendren, Eriken oder Kamelien, die nach dem Austrocknen des Ballens kaum noch Chancen haben. Bei Containerpflanzen müssen die Töpfe ebenfalls gut durchwurzelt sein. Das erkennt man daran, dass die Wurzeln aus den Wasserabzugslöchern herauswachsen.

Auch der Gesamteindruck der Pflanze ist wichtig. Bei den meisten Sträuchern muss man erwarten, dass sie zweimal verpflanzt und in weitem Abstand herangezogen wurden. Dann sind schon mindestens drei Triebe gut entwickelt. Nur bei wenigen wie Tamariske, Ölweide, Pfaffenhütchen, Kornelkirsche oder Sanddorn genügt es, wenn zwei Basistriebe vorhanden sind. Das gilt auch für die meisten Kletterpflanzen. Lediglich bei Waldreben (Clematis) und dem Wilden Wein (Parthenocissus tricuspidata) kann man beim Kauf nur einen Trieb akzeptieren.

Dass reich mit Knospen besetzte Jungpflanzen eine bessere Qualität haben, ist ein Trugschluss. Das Gegenteil ist der Fall, denn schwach entwickelte Pflanzen setzen oft früher und mehr Blüten an als wüchsige. Erst im zweiten oder dritten Jahr sollen die Sträucher blühen, im ersten Jahr sollen sie vor allem wachsen. Deshalb empfiehlt sich auch, bei starken Jungpflanzen die meisten Blüten auszubrechen und nur einige zur Kontrolle der Blütenfarbe zu belassen.

Qualitätsmerkmale gelten auch für Rosen. Sie werden am Wurzelhals durch Okulation veredelt und müssen einjährig sein. In der Güteklasse A werden sie mit mindestens drei normal entwickelten und gut ausgereiften Trieben, in Güteklasse B mit zwei kräftigen Trieben gehandelt. Bei den Stammrosen soll der Stamm gerade sein und unter den Veredelungsstellen mindestens einen Durchmesser von neun Zentimetern haben.

Nach dem Kauf dürfen die Wurzeln nicht austrocknen. Ist der Transportweg lang, hilft das Einwickeln in Folie. Im Garten stellt man Gehölze ohne Erdballen einige Stunden in einen Wasserbehälter. Kann nicht gleich gepflanzt werden, schlägt man die Gehölze ein und gießt an.

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