Zeitung Heute : Junge, sing mal wieder

Der Tagesspiegel

Von Tanja Buntrock

Hans Albers kann sich ja nicht mehr wehren. Sagt jedenfalls Karl Dall, wenn er auf sein neues Programm „Dall trifft Albers“ angesprochen wird. Das klingt schon mehr nach einer Rechtfertigung als nach einem dieser Dall-typischen Witze, die der ostfriesische Komiker so gern reißt. Vom 4. bis zum 7. April tritt er mit der Show in Berlin, in der „Bar jeder Vernunft“ auf.

Als Hommage an den blonden Hans, den Seebären, begreift Karl Dall seinen Auftritt. Und so wird er mit Liedern wie „Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise! Nimm uns mit in die weite, weite Welt!“ versuchen, an diese berühmte Stimme, die gleichzeitig nach Fernweh und Heimweh klingt, zu erinnern.

Auf alten Schellack-Platten lernte Karl Dall bereits als Kind Hans Albers kennen. Er hörte seine Lieder, sang sie nach, imitierte. Einmal sogar bei einer „Je-ka-mi (Jeder-kann-mitmachen)“-Veranstaltung in seiner Heimat. Da hat sogar der Hörfunk seinen Auftritt übertragen, „und es war schrecklich peinlich für meinen Vater“, erinnert sich Dall.

Die Liebe zu diesen Liedern blieb. Dennoch machte sich der Schriftsetzerlehrling erstmal auf und verließ seine windige Heimat Ostfriesland Richtung Berlin. Zunächst wurde er mit der 1967 gegründeten Blödel-Truppe „Insterburg & Co“, dann als Solo-Komiker bekannt geworden. Sein hängendes Augenlid und seine Manie, sich für keinen Griff unter die Gürtellinie zu schade zu sein, wurden zu seinem Markenzeichen.

Mittlerweile ist Dall 61 Jahre alt, hat laut Umfragen einen Bekanntheitsgrad von 91 Prozent in der Bevölkerung und entdeckt seine Leidenschaft für Hans Albers wieder. Früher, sagt er, habe er immer mal wieder in seinen Programmen versucht, Albers zu imitieren. Jetzt, fügt Dall hinzu, würde er ihn nur interpretieren. Deshalb sei die Show auch nur „eine Annäherung“. Ein Lied wie „Good Bye Johnny“ könne man nicht einfach so verhunzen. Das gebiete der Respekt vor dem Künstler.

Aber „La Paloma“ erlaubt er sich, völlig auseinander zu nehmen und „einzudallern“, fügt er hinzu. Schließlich müsse ein Teil der Show auch typisch Karl Dall geprägt sein. Allein deshalb schon, kalauert Dall, „damit die Leute nicht völlig suizidgefährdet nach Hause gehen“.

Die Leute, egal ob von der Küste oder in Bayern, würden sein nostalgisches Programm zu schätzen wissen, da ist er sich sicher. Immerhin würden sie ja den lieben langen Tag lang mit so genannter Comedy im Fernsehen zugeballert werden. „Ich werde auch häufig als Comedian bezeichnet“, schimpft Dall. „Aber was soll das sein, ein Comedian?“ Komiker sei die richtige Bezeichnung. Und die ist für ihn so etwas wie eine Auszeichnung, eine Art Grimme-Preis, den man verliehen bekommt. Er zähle sich nicht „zu diesen Lach-Säcken“. Deshalb sei er auch so entrüstet gewesen, als man ihm bei seiner damaligen Fernsehsendung „Karls Kneipe“ einfach „ein paar Lacher untergemischt“ habe. „Da habe ich mich dagegen gewehrt“, sagt er aufgeregt mit zischender Zunge und seiner unverwechselbaren „Kermit, der Frosch“-Stimme.

Viel halte er nicht von denen, die sich so widerstandslos als Comedians bezeichnen lassen und wie Stefan Raab viermal die Woche in einer „Trash-Show“ auftreten. Oder wie Ingo Appelt. Der habe sich mit seinem Format selbst in eine Ecke gedrängt, aus der er nicht mehr herauskomme. Nein, eine Fernseh-Show, womöglich viermal die Woche und sich dann in einem vorgefertigten Korsett bewegen zu müssen, das sei nichts für ihn, sagt Dall. „Da bleibt nur sehr wenig Zeit für die Familie.“

Aber bei allem Verdruss übers Fernsehen, so ganz kann Dall doch nicht davon ablassen, als kalauernde Ulknudel vor der Kamera zu stehen. Im Sommer macht er für die ARD eine 90-minütige „Lach-Sendung“ mit verschiedenen Künstlern, die im Mai aufgezeichnet wird. Das sei für Dall wiederum vertretbar, etwas völlig anderes, denn schließlich darf er die Komiker selbst aussuchen. „Es gibt verdammt wenige gute“, sagt er ernst. Und bei ihm dürfe wahrlich nicht jeder dabei sein.

„Dall trifft Albers“ , 4. bis 7. April, 20.30 Uhr, Bar jeder Vernunft, Schaperstraße 24. Einlass ist um 19 Uhr. Die Karten kosten Donnerstag und Sonntag 22,40 Euro. Freitag und Sonnabend 24,70 Euro.

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