Zeitung Heute : Jungen brauchen Männer als Vorbilder

Daniela Martens

Ein richtiger Junge soll frech sein. Doch im Schulunterricht ist Anpassung gefragt. Die Folge: Jungen kommen oft nicht zurecht in der Schule. „Deshalb sind sie die Sorgenkinder des Bildungssystems“, sagt Marianne Horstkemper. Sie ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Potsdam und Expertin für den „kleinen Unterschied“ zwischen Jungen und Mädchen im Schulunterricht.

Mädchen könnten sich viel leichter in die „Schüler-Rolle“ hineinfinden, sagt Horstkemper. „Wenn Jungen mit den offiziellen Anforderungen in der Schule nicht zurechtkommen, suchen sie Selbstbestätigung als Klassenclown oder gewalttätiger Rowdy.“ Schließlich sollen sie sich laut Geschlechter-Stereotyp irgendwie hervortun. Marianne Horstkemper nennt traurige Fakten: An den Sonderschulen für lernbehinderte und verhaltensauffällige Kinder sind die Jungen in der Überzahl. Bei der Pisa-Studie wurden vor allem 15-jährige Jungen in die „Risikogruppe“ eingestuft – Sie hatten noch nicht einmal die unterste Kompetenzstufe beim Lesen und Rechnen erreicht. „Du könntest, wenn du nur wolltest“ – Das hören Jungen viel häufiger als Mädchen von ihren Lehrern. „Jungs sind nicht so schnell zu einer Anstrengung bereit“, erklärt die Wissenschafterin. Sie brauchten mehr Anreize zum Lernen als Mädchen. Und es falle ihnen schwerer, sich auf die Schule einzulassen.

„Dazu brauchen sie männliche Bezugspersonen, an den meisten Schulen unterrichten aber hauptsächlich Frauen “, sagt Horstkemper. Sie fordert die Einstellung nicht nur von Lehrern, sondern auch von Erziehern und Sozialpädagogen. Bewährt habe sich das System des doppelten Klassenlehrers: Eine Frau und ein Mann teilen sich die Aufgabe.

Ein anderes Modell ist das der Jungenkonferenzen: An einer Bielefelder Schule gibt es regelmäßige Gesprächskreise „nur für Jungs“. Dort lernen sie vor allem soziale Kompetenz. Dazu gehört auch die wichtige Frage: „Wie zeige ich einem Mädchen, dass ich sie toll finde?“

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