Zeitung Heute : Jungweine in charmanter Frühform

Der Jahrgang 2007 hat viele Wetterkapriolen gut überstanden

Susanne Staggl ÖWM

Nach den ersten Verkostungen der Jungweine des Jahrgangs 2007 sind die Winzer und Fachverkoster quer durch die österreichischen Weinbaugebiete sehr zufrieden mit dem erreichten hohen Niveau: So gute Ergebnisse waren nach den schwierigen Witterungsverhältnissen im Sommer und Herbst nicht unbedingt zu erhoffen. Überhaupt spiegeln sich die Kapriolen des zum Teil extremen Wetters nicht in den zumeist sehr ausgewogenen Weinen wieder. Ein weiterer großer Pluspunkt: Nach drei quantitativ mageren Weinjahren konnte endlich wieder eine „Normalernte" eingebracht werden.

Nach einem Winter, der seinen Namen gar nicht verdient hat, trieben die Reben 2007 früh aus, und der schöne Frühling mit einer günstigen Folge von Sonnentagen und zeitgerechten Niederschlägen führte sogar - gleichauf mit 2003 - zur „frühesten Blüte aller Zeiten". Getrübt wurde die Vorfreude durch Spätfröste, die rund um den ersten Mai einigen Schaden anrichteten, sowie durch punktuelle Hagelgewitter gegen Sommerbeginn, die regional ebenfalls Ernteeinbußen verursachten.

Nach dem brennend heißen Juli drehte sich das Wetter pünktlich zum ersten August und brachte reichliche Niederschläge und kühlere Nächte. Trotzdem erwarteten die Winzer bis Ende August eine extrem frühe Lese à la 2003 sowie entsprechend „hitzige" Weintypen. Doch auch diesmal kam alles ganz anders: Wolkenbrüche zum Schulbeginn in Ostösterreich ließen um die Standfestigkeit der Weinbeeren fürchten, es drohte Fäulnisgefahr. Weniger Sorgen hatten jene nordburgenländischen Winzer, die so gut wie alle Weißweine, teilweise auch Pinot Noir und St. Laurent, zu diesem Zeitpunkt bereits im Keller hatten; auch die steirischen und südburgenländischen Winzer, über deren Weinbergen weit weniger Regen niederging, konnten gelassen bleiben. Ein wechselhafter Herbst mit etwas Sonne vor allem in der ersten Oktoberhälfte erzwang eine sorgfältige Wahl des Erntezeitpunktes. Schließlich zog sich die Lese in den Gebieten nördlich der Donau über einen sehr langen Zeitraum hin, in der Wachau z.B.bis Mitte November.

Bei den trockenen Weißweinen beeindruckt gegenwärtig die frühe Harmonie, also die Ausgeglichenheit der wichtigsten Inhaltsstoffe wie Alkohol, zuckerfreier Extrakt und Säure. Diese rührt daher, dass rekordverdächtige Alkoholwerte ausblieben und der für die innere Dichte verantwortliche Extraktgehalt nur geringfügig niedriger als 2006 ausfiel. Die Säure bewegt sich in jenem idealen Rahmen, der den Weißweinen genau die richtige rassige Struktur verleiht, ohne aggressiv zu wirken. Bei den wirklich gelungenen Weißweinen lässt sich die kühle herbstliche Periode, die sich in filigranen Fruchtnuancen, feingliedriger Textur und nerviger Säure äußern kann, gleichsam mit demselben Schluck wahrnehmen wie die hohe Reife, die Frühjahr und Juli sowie lange Vegetationsdauer in Form von ausgereiften Fruchtaromen, großzügigem Körper und zuweilen entsprechendem Alkohol vermittelt haben.

Die in den burgenländischen Rotweinhochburgen und niederösterreichischen Rotweininseln verkosteten Jungweine zeigten sich in charmanter Frühform, wobei die intensiven Fruchtaromen eher dem hellen, rotbeerigem Spektrum zuzurechnen sind als dem dunkelbeerigen, südlich-feurigem, wie wir es aus dem Vorjahr kennen. Im Ergebnis stellen sich daher Rotweine mittlerer bis gute Dichte mit angenehm weichem Tanninfonds und unaufdringlicher Säure vor, die hinsichtlich ihrer Struktur über 2005 liegen, aber vermutlich 2002 nicht ganz erreichen werden.

Prinzipiell dürfte die wechselhafte Witterung einzelne Rebsorten nicht entscheidend bevorzugt oder benachteiligt haben, denn sowohl die österreichischen Paraderotweinsorten Blaufränkisch und Zweigelt als auch die frühreifenden Burgunder und spätreifenden Cabernets scheinen recht gut reüssiert zu haben; wenn es einen Favoriten gibt, so sind es die ungemein fruchtsüßen Merlots. Susanne Staggl/ÖWM

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar