JUSTIZDRAMA„Der Mandant“ : Büro auf vier Rädern

Foto: Universum
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Die Metropole Los Angeles erstreckt sich über ein Gebiet, das fast so groß ist wie Schleswig-Holstein. Nirgendwo zeigt sich der Kult des Automobils in so krassen Ausprägungen, nirgendwo verbringen die Menschen so viel Zeit mit Fahrten von A nach B wie hier. Wenn man sowieso den größten Teil des Tages im Auto hockt, warum nicht gleich sein Büro dorthin verlegen. Das sieht der Strafverteidiger Mickey Haller (Matthew McConaughey, rechts) ganz pragmatisch und lässt sich in einem angejahrten Lincoln durch die Gegend chauffieren – er ist „The Lincoln Lawyer“, wie der sehr viel plausiblere Originaltitel des Romans von Michael Connelly und der Verfilmung von Regisseur Brad Furman lautet.

Denn der Fokus dieses ausgezeichneten Justizthrillers liegt auf der Figur des abgekochten Anwalts: Im Privatleben ist Mickey Haller ein verkrachter Loser, der sich mit seiner Ex-Frau (Marisa Tomei) zofft, aber auch liebevoll um die gemeinsame Tochter kümmert. Beruflich dagegen ist er ein knallharter Rechtsverdreher, der für seine Klienten, meist Kleinkriminelle aus dem Drogen- oder Prostituiertenmilieu, schon mal die Grenzen der Legalität ausreizt.

Gerade seine Professionalität droht ihm zum Verhängnis zu werden, als er endlich den einen großen Fall wittert, der ihn von allen finanziellen Sorgen befreien könnte: Er soll den Spross einer ebenso reichen wie einflussreichen Familie raushauen, der wegen Vergewaltigung und schwerer Misshandlung angeklagt wird, sich aber als Opfer einer Intrige sieht. Haller stürzt sich voller Tatendrang in die Verteidigung des Mandanten, doch spätestens, als sein Privatschnüffler (mit Frisurproblem: William H. Macy, links) ermordet wird, schwant ihm, dass er selbst in eine monströse Falle getappt ist.

Matthew McConaughey liefert mit der Verkörperung des arroganten Anwalts, der einem unwillkürlich ans Herz wächst, eine brillante Performance ab. Ryan Phillippe überzeugt als verwöhntes Millionärssöhnchen, hinter dessen unschuldigem Kindergesicht Abgründe lauern. „Der Mandant“ ist ein faszinierendes Beispiel für die unglaubliche Routine einer gelungenen Hollywoodproduktion. Ohne den Anspruch auf einen originellen Plot oder kinematografische Innovationen besticht der Film mit klassischen Kinoeigenschaften: Spannung, schauspielerische Glanzleistungen, dichte Atmosphäre, glaubwürdiges Setting. Im Grunde Konfektionsware, aber auf einem Niveau, von dem man hierzulande nur träumen kann. Spannend. Jörg Wunder

USA 2011, 118 Min., R: Brad Furman, D: Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei

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