Zeitung Heute : Kabellose Freiheit

Mit dem Projekt „eCampus“ geht die TU Berlin neue Wege bei der IT-Infrastruktur.

Ulrike Friedrich
Da lang. Die TU-App leitet Nutzer durch den Uni-Alltag. Foto: TU Presse/Dahl
Da lang. Die TU-App leitet Nutzer durch den Uni-Alltag. Foto: TU Presse/Dahl

Der Campus der Zukunft ist kabellos. Schon heute benutzen die Leute an der Uni mobile Endgeräte. In vielen Bereichen von Forschung und Lehre löst der Laptop zunehmend den Schreibblock ab. Präsentationsfolien können abgerufen werden, Notizen werden digital erstellt, online gespeichert, mit Kommilitonen und Kollegen geteilt oder sofort zentral gedruckt. Nur abholen muss man den Ausdruck noch zu Fuß. Die Routingfunktion des Smartphones weist dabei den Weg. Per Twitter und Facebook werden Vorlesungen kommentiert und Verabredungen getroffen. Ständig „on“ zu sein gehört zum Lebensgefühl der „Digital Natives“ einfach dazu.

Die TU Berlin trägt dieser Entwicklung schon länger Rechnung. Anwendungen wie tub2go.tu-berlin.de und „MoCCha-App“ (Mobiler Campus Charlottenburg) liefern alle notwendigen Informationen rund um das Campusleben – von Vorlesungsverzeichnissen und Gebäudeübersichten über Speisepläne bis hin zur Portalanmeldung. Die aus dem Onlinebanking bekannte mTAN sichert den individuellen Zugang zu allen sensiblen Diensten wie Prüfungsanmeldung oder Einsicht von Dokumenten. Es ist eine Frage der Zeit, wann Studierende Textbücher, Zeitschriften und von Dozenten bereitgestellte Materialien vollständig in elektronischer Form abrufen können. Die Funktionalitäten der Studierenden- und Dienstausweise werden nach und nach auf die mobilen Geräte verlagert. Die Entwicklung von Produkten für Handys zur Bezahlung oder zum Türöffnen wird weltweit vorangetrieben.

Diese Anwendungen erfordern jedoch, dass alle Mitglieder der TU an jedem Ort des Campus’, innerhalb und außerhalb der Gebäude, Zugang zu einem stabilen und leistungsfähigen Netzwerk haben. Als eine der ersten Unis in Deutschland setzt die TU mit ihrem Projekt „eCampus“ ganz auf W-Lan als primäres Zugangsmedium zum campuseigenen Datennetz.

Doch was ist daran besonders? Schließlich kann theoretisch jeder Mitarbeiter mit Smartphone und passender Flatrate auch unabhängig vom Campusnetz im Internet surfen, E-Mails verschicken oder etwas bei Facebook posten. „Über den persönlichen Campus-Account wird automatisch festgelegt, auf welche Ressourcen die Beschäftigten Zugriff haben“, sagt Odej Kao, Professor am Fachgebiet Komplexe und Verteilte IT-Systeme der TU Berlin und gleichzeitig Direktor des zentralen IT-Service-Centers „tubIT“. „Egal, mit welchem Gerät Sie sich in das Netz einwählen, sie erhalten Zugriff auf ihre persönliche Arbeitsumgebung inklusive Netzlaufwerke, Drucker oder andere gemeinsam genutzte Services. Dies ist nach unserem Wissen bislang einzigartig in der universitären IT-Landschaft.“ Durch Verwendung des neuen W-Lan-Standards erreichen die TU-Techniker eine Übertragungsgeschwindigkeit und vor allem eine Abdeckung, die auch große Nutzergruppen auf engstem Raum – zum Beispiel in vollbesetzten Hörsälen – zufrieden stellt.

Für die zukünftige Entwicklung arbeiten die „tubIT“-Mitarbeiter bereits zusammen mit der T-Systems, dem Hauptpartner im Projekt eCampus, an weitergehenden Lösungen. „In fünf Jahren brauchen wir vielleicht gar kein W-Lan mehr“, sagt Kao. Mit den neuen Mobilfunkstandards werde es möglich, jeglichen Datenverkehr über die allgemeinen Mobilfunknetze abzuwickeln. „Natürlich muss der Datenschutz gewährleistet und die Übertragungsleistung verfügbar sein.“ Wenn es soweit ist, ließen sich die personalisierten Ressourcen von jedem Ort aus erreichen, so wie bereits heute aus dem W-Lan.

Kao ist überzeugt, dass die neue IT-Infrastruktur zahlreiche Anwendungen ermöglicht, die alle Bereiche des universitären Lebens beeinflussen wird. „Die Ideen aller Mitglieder der Universität sind uns willkommen“, sagt er. „Damit wir die neuen Möglichkeiten noch besser nutzen können.“ Ulrike Friedrich

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