Kämpfe in Grosny : Die Rückkehr der Terroristen

In Tschetschenien kam es zu den schwersten Kämpfen seit Jahren. Mindestens 19 Menschen starben am Donnerstag bei Gefechten zwischen Polizisten und Extremisten. Was steckt dahinter?

Die Extremisten griffen ein Verlagshaus an.
Die Extremisten griffen ein Verlagshaus an.Foto: Reuters

Den Zeitpunkt für ihre Attacke dürften die Angreifer nicht ganz zufällig gewählt haben. Zuletzt war es relativ ruhig geblieben im russischen Nordkaukasus, in der Nacht zu Donnerstag aber knallte es wieder einmal – und zwar so heftig wie seit Jahren nicht mehr. Mindestens 19 Menschen starben bei den Auseinandersetzungen zwischen Extremisten und der Polizei in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny. Nur wenige Stunden vor der Rede an des russischen Präsidenten Wladimir Putin an seine Nation.

Mit drei Fahrzeugen gelangten Mitglieder der islamistischen Gruppierung Kaukasus-Emirat, die sich am Nachmittag zu dem Anschlag bekannte, in die Stadt. Zunächst fuhren sie an einen Straßenposten heran und erschossen dann mindestens drei Polizisten. Nach dem Überfall verschanzten sie sich in einem Verlagshaus und einer Schule. Während bei dem Sturm des Pressehauses sieben Terroristen getötet wurden, gingen die Gefechte in der Schule bis zum Abend weiter. Kinder und Lehrer sollen aber nicht im Gebäude sein. Seit Jahren kämpfen in Tschetschenien radikalislamische Aufständische für die Unabhängigkeit von Russland.

Der unversöhnliche Teil der Untergrundkämpfer verzog sich in die Nachbarregionen

Moskau holte die Rebellenrepublik, die sich 1991 von Russland abgespalten hatte, nach zwei blutigen Kriegen heim ins Reich. Der kremltreue Republikchef Ramsan Kadyrow bewog die Mitglieder der islamischen Guerilla damals mit einer Generalamnestie und üppigen materiellen Zuwendungen zum Aufgeben. Der unversöhnliche Teil der Untergrundkämpfer aber verzog sich in die Nachbarregionen und verübte wiederholt Terroranschläge in Südrussland und in Moskau.

In Tschetschenien selbst gab es seit 2005 keinen Anschlag mehr. Auch, weil den Terroristen inzwischen der Rückhalt in der Bevölkerung fehlt. Moskau hat Milliarden in den Wiederaufbau der Region gesteckt und Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen. Die Arbeitslosigkeit in Tschetschenien ist niedriger als in anderen Regionen des strukturschwachen Nordkaukasus. Nach Unabhängigkeit strebt die Mehrheit der Bevölkerung daher im Moment nicht mehr.

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