Zeitung Heute : Kärnten und Osttirol: Demut vor dem Berg - Feiern zur Erstbesteigung des Großglockners vor 200 Jahren

Dietmar Hauer

Seine Ähnlichkeit mit einer schneebedeckten Glocke könnte Österreichs höchstem Berg seinen Namen verliehen haben. Allerdings wird der exakt 3797,785 Meter hohe Großglockner auch mit dem "klocken", einem donnernden Gepolter abgehender Eislawinen, in Verbindung gebracht. Oder mit dem Begriff "Glogger", was in der einheimischen Kärntner Mundart soviel wie Leithammel bedeutet - eine Bezeichnung, die dem mächtigsten Berg in der Kärntner, Salzburger und Osttiroler Alpinwelt durchaus zusteht. Vor nunmehr 200 Jahren, im Sommer des Jahres 1800, wurde Österreichs höchster Gipfel zum ersten Mal bestiegen. Grund genug für die Kärntner Tourismus Gesellschaft (KTG) und die umliegenden Gemeinden, das Jubiläum mit einer großen Feier am 28. Juli auf der Franz-Josef-Höhe gebührend zu begehen.

"Du stehst am Glockner und empfindest Demut vor der Erhabenheit des Gipfels, die Demut des kleinen Menschen vor der großartigen Bergwelt", berichtet Bergführer Ernst Rieger aus Heiligenblut, der schon mehr als 300 Mal auf dem Gipfel des Großglockners gestanden hat. Das Gefühl sei jedes Mal ergreifend gewesen. An klaren Tagen reiche der Blick bis zum Watzmann im Norden, bis zur Marmolada in Südtirol. Schon seit Jahrhunderten fasziniert die beeindruckende Form des steinernen Riesen die Menschen. Im 18. Jahrhundert schrieb ein Wissenschaftler, dass es keinen Berg der Ostalpen gebe, der sich an Eleganz und Kühnheit mit dem Großglockner messen könne. Die Erstbesteigung des Mont Blanc(1787) und die damit verbundene alpine Aufbruchstimmung weckten das Interesse des Fürstbischofs von Gurk, Franz Altgraf von Salm-Reifferscheid, der 1799 das Abenteuer Glockner-Erstbesteigung veranlasste. Für den Bischof war dies das "vornehmste Ziel wissenschaftlicher Betätigung".

Der Kirchenfürst beauftragte die Brüder Martin und Sepp Klotz, Zimmerleute aus Heiligenblut, einen Weg von Kärnten aus auf den Gipfel zu finden. Nach mehreren Versuchen in genagelten Schuhen, mit handgeschmiedeten Fußeisen, Leitern und langen Stöcken endete der erste Anlauf 1799 am Kleinglockner, der etwas niedriger und durch eine Scharte vom Großglockner getrennt ist. Das Duo musste umkehren, "da die erstarrende Kälte alle jene Hilfsmittel von Haltung, Behendigkeit und Gleichgewicht, die ein fester, gesunder Mann aus sich selbst schöpft, geraubt hatte", heißt es im Originalbericht der Expedition.

Für den Fürsten schien jedoch die Arbeit nur halb getan, und so brach am 18. Juli 1800 eine Karawane von nicht weniger als 62 Personen - darunter der Bischof selbst, Botaniker, zwei Pfarrer, ein Koch und drei Diener - mit 16 Pferden zur inzwischen ausgebauten Salm-Hütte auf. Dort speiste und trank man nach historischen Quellen außerordentlich. Bei schönem Wetter erreichte am folgenden Tag ein Teil der Herren den Kleinglockner. Zum Großglockner-Gipfel drangen jedoch nur fünf Personen vor: Als erster setzte der Pfarrer Horrasch aus Döllach seinen Fuß auf den Gipfel, ihm folgten die Brüder Klotz und zwei Zimmerleute mit dem hölzernen Gipfelkreuz. Angesichts der Tatsache, dass es damals weder alpine Ausrüstung noch das nötige Wissen gab und viele Talbewohner an Geister und Teufel in den Bergen glaubten, war das eine gewaltige Leistung.

In den Gemeinden zu Füßen des Großglockner hat man sich gründlich auf den 200. Jahrestag des Ereignisses vorbereitet. Die Sonderausstellung "200 Jahre Erstbesteigung" ist bereits eröffnet. Die Osttiroler Gemeinde Kals ist stolz darauf, die Südseite des Großglockner, dessen Grat die Landesgrenze zwischen Kärnten und Tirol bildet, in ihrem Gemeindegebiet zu wissen. Den ganzen Sommer hindurch werden dort Glockner-Trekks mit Saumpferden auf historischen Wegen angeboten. Voraussetzung zur Teilnahme sind lediglich eine gute körperliche Verfassung, Kondition, Trittsicherheit und gutes Schuhwerk.

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