Zeitung Heute : Kaffee – heiß und gesund

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

Unser Arzt fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin

Vermutlich gibt es nichts Besseres als einen Pott Kaffee. Heiß, stark, mit etwas Milch. Morgens, wenn der Tag noch jung ist und die Sonne lacht. Oder am Nachmittag, wenn der Geist schon ein wenig erlahmt ist und frischen Schwung braucht.

Das klingt ein bisschen arg nach Reklame? Keine Angst, es kommt noch besser. Forscher der amerikanischen Harvard-Universität haben jetzt festgestellt, dass Kaffee das Risiko für Typ-2-Diabetes, den Alterszucker, ganz erheblich senken kann. Und das nicht nur in der Theorie, also in Petrischalen oder bei Labor-Ratten, sondern bei wirklichen Menschen.

Die Wissenschaftler fragten in zwei großen Studien mit mehr als 40 000 Männern und 85 000 Frauen den Kaffeekonsum und den Gesundheitszustand ab. Eine gewaltige Zahl.

Das Ergebnis war eindeutig: Männer, die sechs oder mehr Tassen Kaffee am Tag tranken, hatten ein um mehr als die Hälfte verringertes Risiko für Alterszucker. Wer vier bis sechs Tassen trank, senkte es um rund 30 Prozent.

Ähnliches galt für Frauen: Ab vier Tassen sank das Risiko auf 30 Prozent. Mehr war allerdings nicht drin, auch wenn die Frauen mehr Kaffee tranken.

Der Effekt von entkoffeiniertem Kaffee war geringer. Und: Tee brachte nichts.

Für die Wissenschaftler bedeutete das eine echte Überraschung, wie sie nun auf dem Kongress der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft in New Orleans zugaben. Eigentlich waren sie nämlich angetreten, um eine holländische Studie zu widerlegen. Die war vor einem halben Jahr zu dem gleichen günstigen Ergebnis gekommen.

Und jetzt? „Da können wir doch glatt alle Fitnessprogramme vergessen, uns vor den Fernseher setzen und den ganzen Tag Kaffee trinken“, scherzte Frank Hu von der Harvard School of Public Health, einer der beteiligten Wissenschaftler.

Nicht ganz, natürlich. Schließlich gilt für den Kaffee wie für so viele andere Genüsse des Lebens, dass man es nicht übertreiben sollte. In Maßen aber birgt er keine Risiken. Wer es übertreibt, muss jedoch mit Schlaflosigkeit, Angstgefühlen und vorübergehend erhöhtem Blutdruck rechnen.

Aber das trifft auf Sie natürlich nicht zu. Ein Tässchen können Sie sich also ruhig noch gönnen.

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