Zeitung Heute : "Kaiser, Katzen und Kanonen - Britannias Botschaft in Berlin" von Johannes Eglau

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Noch bevor die unbestritten gelungene Dokumentation "Kaiser, Katzen und Kanonen - Britannias Botschaft in Berlin" seine Presse-Vorführung erlebte, erklärte SFB-Fernsehdirektorin Barbara Groth: "Wir werden ihn mit vielen Wiederholungen spielen". Autor und Produzent lachten geschmeichelt, während die Journalisten doch erstaunt die Augenbrauen hochzogen. Und dann kam der Film: Johannes Eglaus Film beginnt mit schnellen Schnitten - so schnellen, dass man sich unwillkürlich an Videoclips erinnert fühlt, deren Bilderfolgen man oft nicht richtig folgen kann. Nach dem Vorspann wird die Geschichte etwas ruhiger, gerade so viel, dass man sich auf das Tempo einlassen kann. Kater Egbert beobachtet misstrauisch, wie ein Buch nach dem anderen in der Umzugskiste verschwindet, wie die Möbelpacker sein vertrautes Heim in Bonn zerstören: Der britische Botschafter Sir Paul Lever, seine Frau Lady Patricia und Hauskater Egbert bereiten sich auf ihren neuen Einsatzort Berlin vor. Und auf die neue britische Botschaft, die unmittelbar hinter dem Hotel Adlon in der Wilhelmstraße 70 an historischem Ort wieder erstehen wird. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Palais bei einem Angriff der Royal Air Force schwer getroffen und 1950 als Ruine von den DDR-Behörden abgerissen.

Eglau begleitet Lever und seine Familie auf dem Weg nach Berlin und erzählt parallel die wechselhafte Geschichte der britisch-deutschen Beziehungen, beginnend bei Wilhelm II. und seinem schwierigen Verhältnis zur Verwandtschaft in London, über Ersten und Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Nachkommen und Mitarbeiter der einst in Berlin ansässigen britischen Diplomaten sowie der ehemalige Sekretär des NS-Außenministers Joachim Ribbentrop, Reinhard Spitzy, erinnern sich. Eglau ist ein athmosphärisch dichter, historisch interessanter und ungemein unterhaltsamer Film gelungen. Nach der heutigen Premiere (22 Uhr 15, B 1) ist für 18. Juli die erste Wiederholung in Aussicht genommen.

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