Zeitung Heute : Kalaschnikow-Munition lag auf dem Spielplatz

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Von Rainer W. During

Charlottenburg/Wilmersdorf. Mysteriöse Munitionsfunde im Ortsteil Grunewald beunruhigen die Anwohner. Bereits zum zweiten Mal wurde jetzt auf einem Spielplatz eine größere Menge von Patronen für russische Kalaschnikow-Maschinenpistolen entdeckt. Besonders brisant ist, dass sich der erste Fund Anfang November in unmittelbarer Nähe der israelischen Botschaft ereignete. Bei der Polizei gibt man allerdings Entwarnung. Dass Terroristen die Munition für geplante Anschläge versteckt hatten, wird ausgeschlossen. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass hier ein Unbekannter bereits verrottete Andenken aus Beständen der NVA oder der Roten Armee entsorgt hat.

Am Dienstag vergangener Woche hatten Arbeiter des Grünflächenamtes beim Laubsammeln auf dem öffentlichen Spielplatz an der Paulsborner/Ecke Warmbrunner Straße plötzlich metallisches Klicken gehört. Sie entdeckten daraufhin Reste von Ölpapier-Verpackungen und eine Vielzahl verstreuter Patronen. Die Munition sei offenbar vergraben gewesen, hieß es beim bezirklichen Bauamt. Ob die Verpackungen bereits zuvor beschädigt waren oder erst durch die Harken zerrissen wurden, ließ sich nach Polizeiangaben nicht mehr feststellen.

Die alarmierten Beamten stellten rund 250 Patronen sicher und bewachten den Spielplatz über Nacht. Am Mittwoch wurde das Gelände dann mit rot-weißen Flatterleinen abgesperrt. Angehörige einer beauftragten Munitionsbergungsfirma gingen mit Metallsonden auf die Suche nach weiteren Geschossen. Insgesamt wurden hier etwa 500 Patronen gefunden, so die Polizei. Anfang dieser Woche war die Aktion beendet, der Spielplatz ist seit Dienstag wieder freigegeben.

Viele Eltern aus der Umgebung reagierten besorgt. Polizei und Bezirksamt halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass spielende Kinder die Päckchen bereits zuvor entdeckt und zerrissen, eventuell sogar Patronen mitgenommen haben. Von der Munition selbst geht keine akute Gefahr aus, solange sie nicht gewaltsam bearbeitet wird, betonte ein Polizeibeamter. Andere Anwohner befürchten einen bevorstehenden Terroranschlag im ruhigen Grunewald. Man ist verunsichert, seit israelische Sicherheitsbeamte mehrere kurdische Demonstranten erschossen, die versucht hatten, die Botschaft in der nur 750 Meter entfernten Schinkelstraße zu stürmen.

Polizei und Bauamt bestä tigten Gerüchte, dass gleichartige Munition zuvor schon auf einem anderen Spielplatz direkt gegenüber der israelischen Botschaft gefunden wurde. Bereits am 5. November seien hier in einem Müllbehälter ebenfalls rund 500 originalverpackte Patronen entdeckt worden. Der Fund löste dem Vernehmen nach bei den Sicherheitsbehörden höchste Aufmerksamkeit aus. Nachdem Gutachten der Polizeitechnischen Untersuchungsstelle jedoch belegten, dass es sich offenkundig um Altlasten handelte, zog sich der Staatsschutz wieder aus den Ermittlungen zurück. Beide Fälle werden jetzt als unerlaubter Waffenbesitz bei einem Kommissariat der örtlichen Polizeidirektion 2 bearbeitet.

Die Patronen, die bei den Streitkräften des ehemaligen Warschauer Paktes verwendet wurden, waren bereits angerostet und offenbar längere Zeit gelagert worden, hieß es dort. Der Zustand der jetzt an der Paulsborner Straße gefundenen Munition lasse darauf schließen, dass diese möglicherweise auch schon seit November dort gelegen habe. Deshalb wird ausgeschlossen, dass sie hier von Unbekannten für eine spätere Nutzung deponiert wurde.

„Wir gehen davon aus, dass hier entweder jemand Angst und Schrecken verbreiten oder sich einfach der Patronen entledigen wollte“, sagte ein Ermittler. In geringeren Mengen komme es im Stadtgebiet regelmäßig zu derartigen Funden. Auch gebe es immer wieder Bürger, die bei Entrümpelungen alte Munition finden und nicht melden, sondern einfach mitnehmen.

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