Zeitung Heute : Kaliningrad, Pjöngjang, Berlin

Unser Kolumnist Harald Martenstein, mehr von ihm hier.
Unser Kolumnist Harald Martenstein, mehr von ihm hier.Zeichnung: Tsp

Dieser Tage wurde gemeldet, dass der Termin für die Eröffnung des Berliner Flughafens wieder einmal gefährdet ist. Bisher ist die Eröffnung für den 8. Mai 2012, für den 3. Juni 2012 , dann für den 17. März 2013 angekündigt worden. Ein Manager sagt: „Es herrscht völliges Chaos.“ Von einem anderen Manager wurde der Satz bekannt: „Es stellt sich die Frage, ob die Entrauchungsanlage jemals funktionieren wird.“

Es wäre sehr ungerecht, zu behaupten, dass so etwas nur in Berlin vorkommt. Als Vergleichsobjekt drängt sich unter anderem der neue Hauptbahnhof der serbischen Metropole Belgrad auf. Die Station „Belgrad Zentrum“ sollte am 1. Mai 1979 feierlich eröffnet werden. Die Eröffnung wurde zuerst auf 1980 verschoben, dann auf 1989, schließlich auf 1999. Die Bauarbeiten laufen weiter auf Hochtouren, der fünfte Eröffnungstermin steht noch nicht fest. Ursache der Probleme ist die komplexe Topographie der Stadt Belgrad, unter anderem gibt es dort Berge und Flüsse, ein Umstand, der den Planern zunächst nicht bewusst gewesen ist.

In Kaliningrad, dem früheren Königsberg, wird seit den 70er Jahren versucht, ein Hochhaus zu errichten, das ursprünglich den Sowjet der Stadt beherbergen sollte. Zuletzt ist sogar der Versuch gescheitert, in den Rohbau Fenster einzubauen – angeblich herrscht völliges Chaos. Es stellt sich die Frage, ob die Fenster jemals funktionieren werden. Inzwischen ist die Ruine allerdings eine Sehenswürdigkeit, sie soll offiziell zum Denkmal für das Scheitern der Sowjetunion erklärt werden.

In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang wird seit 1987 an einem Hotel gebaut, das 1987 sogar das höchste Hotel der Welt gewesen wäre, mit 320 Metern, 3000 Zimmern und sieben Drehrestaurants. Das Hotel soll die Form einer Pyramide haben, wenn es fertig ist, was ursprünglich wohl 1992 der Fall sein sollte. Was genau das Problem ist, weiß nur Präsident Kim Jong Un. Zuletzt wurde angekündigt, das Hotel werde zum 100. Geburtstag des früheren Präsidenten Kim Il Sung eröffnet, also im April 2012, ein Termin, der offenbar nicht gehalten werden konnte.

Man kann also sagen, dass derartige Probleme eine Spezialität eher östlich gelegener Metropolen mit einer lebendigen sozialistischen Tradition sind, insofern stellt die schwierige Baugeschichte der Berliner Flughafen-Entrauchungsanlage keine ganz so große Überraschung dar.

Von Kaliningrad und Pjöngjang aber können wir Berliner lernen, dass der Flughafen auch im Fall der Nichtfertigstellung eine neue Touristenattraktion werden könnte, als Berlin-Denkmal oder Partylocation, und dass der 1. Oktober 2053, der 100. Geburtstag von Klaus Wowereit, im Grunde ein idealer Eröffnungstermin wäre.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

1 Kommentar

Neuester Kommentar