Zeitung Heute : Kalt erwischt

Seit März gelten strenge Vorschriften für den Hausbrand mit Holz. Schornsteinfeger sollen überprüfen, ob sie eingehalten werden

Wenn es im Winter richtig gemütlich sein soll, dann muss der offene Kamin brennen. Oder der Kaminofen. Die angenehme Strahlungswärme hat schon etwas. Nachbarn sehen das mitunter anders, denn die Holzbrenner haben eine Kehrseite – sie müffeln alle, und manche besonders stark.

Wer sich jetzt vor dem Winter für einen schicken Kaminofen entscheiden will, der sollte auf Etikette achten, genau gesagt auf die Prüfbescheinigung: Die neuen Anlagen müssen sehr strengen, seit dem 22. März 2010 gültigen Grenzwerten zur Luftreinhaltung genügen. Ältere Anlagen haben noch eine Gnadenfrist von einigen Jahren, dann ist der Ofen aus – oder sie müssen für viel Geld mit Feinstaubfiltern nachgerüstet werden.

Dabei sind die meisten Holz-Heizer mit ihren handverlesenen Scheiten der Ansicht, einen positiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Ihnen ist nicht bewusst, dass die Holzfeuerungsanlagen im Vergleich zu Gas- oder Ölbrennern die Umwelt deutlich stärker belasten. Erneuerbare Energie hin oder her.

Die 15 Millionen Kaminöfen, die in den letzten Jahren mehr oder minder frei von Umweltauflagen aufgestellt werden konnten, fallen schon ins Gewicht: Sie produzieren – mehr als alle Dieselfahrzeuge zusammen – fast 25 000 Tonnen Feinstaub im Jahr, und das natürlich konzentriert auf die wenigen Heizmonate. Nimmt man gezielt die Hausbrandanlagen als Staubquellen unter die Lupe, dann wird es ernst. Beim lungengängigen Feinstaub der gefährlichen Partikelgröße PM10 kommen 94 Prozent der Schadstoffe aus den Kamin- und Kachelöfen – wegen der weitgehend ungeregelten Verbrennungsvorgänge. 1988, als man die kleinen Anlagen großzügig genehmigungsfrei ließ, hatte noch niemand den Boom der Kaminöfen vorhergesehen.

Sigmar Gabriel (SPD) soll, als er noch Bundesumweltminister war, die Kaminöfen „steinzeitliche Dreckschleudern“ getauft haben. Und er muss seine Experten angewiesen haben, keine Gnade walten zu lassen. Entsprechend streng sind die Grenzwerte für Neuanlagen gesetzt.

Aufgelegt wurde die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung, die seit März gilt: Nur noch 0,15 Gramm Staub werden je Kubikmeter Abluft gestattet, dazu vier Gramm Kohlenmonoxid. Die Kaminöfen vom Typ Saubermann müssen sich mit einem entsprechenden Prüfzertifikat des Herstellers ausweisen können, oder sie werden vom Schornsteinfeger einzeln abgenommen. Das wird in erster Linie billige Import-Brenner betreffen, die dann zusammen mit den Expertise-Kosten von 200 bis 500 Euro alles andere als ein Schnäppchen sein dürften.

Für die bereits eingebauten Anlagen läuft jetzt die Zeit ab. Es gelten Übergangsfristen, maßgeblich sind dafür die Daten auf dem Typenprüfschild, das eigentlich an jedem Ofen angebracht sein sollte:

Kaminöfen aus den Jahren bis 1975 oder Geräte ohne Typprüfkennzeichen dürfen nur noch bis Ende 2014 betrieben werden

Öfen aus der Zeit 1975 bis 1984 bis Jahresende 2017

Kaminöfen aus den Jahren 1985 bis 1994 können bis 2020 betrieben werden

Alle jüngeren Anlagen sind bis Jahresende 2024 genehmigt.

Diese Fristen gelten für Einzelanlagen oder – wie es der Gesetzgeber präziser formuliert – für Festbrennstofffeuerungsanlagen in Einzelräumen.

Ein Durchmogeln wird es nicht geben, denn künftig müssen die Schornsteinfeger regelmäßig alle Holz-Feuerstätten überprüfen. Eine Nachrüstung alter Kaminöfen wird sich kaum lohnen, Fachleute rechnen mit Kosten von 1000 bis 1200 Euro für den Einbau von Feinstaubfiltern und Rußabscheidern – vorausgesetzt, dass passende Zusatzteile überhaupt auf den Markt kommen. Die heiklen Erfahrungen bei der Nachrüstung von Diesel-Pkws sind ja noch präsent.

Die modernen Pelletheizungen, die seit einiger Zeit empfohlen werden, erfüllen in aller Regel diese Grenzwerte schon.

Es gibt nur wenige Ausnahmen von der Verordnung: Uralt-Öfen mit Museumscharakter. Badezimmeröfen, Backherde und -öfen, die vor 1950 in Privatwohnungen gesetzt wurden, bleiben frei. Das gilt auch für offene Kamine, vor allem in historischen Bauten. Und: Auch mit den Schnapsbrennern hatte der Gesetzgeber ein Einsehen, solange sie es mit ihrem Hobby nicht übertreiben. 20 Stunden im Jahr dürfen sie brennen, was die Destille hergibt.

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