Zeitung Heute : Kamera Stars vor der

Das wurde ihnen vorgeworfen: Kokainschmuggel, Trunkenheit, illegaler Sex, Mord. Deshalb hat die US-Polizei Fotos von diesen Schauspielern gemacht. Ein Panoptikum zur Oscar-Verleihung an diesem Sonntag.

Für ihre geballte Faust hat sich Jane Fonda nie gerechtfertigt. Für die Haare schon. Sie sei gerade von Dreharbeiten für ihren Kinofilm „Klute“ abgereist, als sie im November 1970 am Flughafen von Cleveland festgenommen wurde. Ihre Rolle habe die Frisur erfordert. Insgesamt sei die Aufnahme ästhetisch gelungen, sagt Fonda. Es gebe Menschen, die sich das Bild später in Postergröße ausgedruckt und an die Wand gehängt hätten.

Die meisten Prominenten zeigen sich weniger zufrieden mit ihrem „Mugshot“, dem Polizeifoto, das in den USA nach jeder Festnahme eines Tatverdächtigen angefertigt wird. Sie finden sich zu ernst, zu konsterniert, zu verwirrt. Der Sänger Rick Springfield erklärte, er müsse sich für seinen Mugshot nicht schämen, der sehe jedenfalls besser aus als jener von Nick Nolte.

In einigen Bundesstaaten werden Polizeifotos grundsätzlich veröffentlicht, in anderen gelangen sie über Umwege in die Medien. Zum Beispiel, indem Ermittler sie heimlich aus den entsprechenden Akten kopieren und an Freunde weiterreichen. Glück hatte Winona Ryder: Ihre Aufnahme aus dem Jahr 2002, als sie wegen Ladendiebstahls von Kleidern im Wert von 5000 Dollar festgenommen wurde, ist nie an die Öffentlichkeit gelangt. Alle bisher aufgetauchten Bilder stellten sich als Fälschungen heraus.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung haben sich auch die Mugshots verändert: Bei heutigen Festnahmen müssen Verdächtige keine Schilder mehr mit Datum, Ort und Vorgangsnummer vor sich halten. Genreliebhaber beklagen einen Ästhetikverlust, weil sich die Aufnahmen nun kaum noch von privaten Schnappschüssen unterscheiden.

Die Schauspielerin mit den meisten Mugshots ist derzeit Lindsay Lohan, sie wurde bereits sechsmal festgenommen und fotografiert. Die Liste ihrer bisherigen Anklagen: Trunkenheit am Steuer, Drogenbesitz, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Verstoß gegen Bewährungsauflagen.Sebastian Leber

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