Zeitung Heute : Kampf der Giganten

Der Tagesspiegel

Von Gregor Wildermann

In der Vorberichterstattung zum europäischen Verkaufsstart der neuen Microsoft-Spielkonsole Xbox griff die Presse bisher mehr als gerne nach Superlativen. Seit gestern steht die schwarze Konsole, die auf den ersten Blick an einen alten Videorekorder erinnert, zum empfohlenen Verkaufspreis von 479 Euro zum Verkauf bereit, doch offen bleibt die Frage, ob der Konsument schon jetzt in die neue und recht teure Spielwelt eintauchen will.

Die üblichen Versprechungen von technischen Höchstleistungen und Vielfalt im Angebot der Starttitel wirken mittlerweile wie Jahrmarktsprüche, wo jedes Los ein Treffer sein soll. Dabei wäre die Auswahl im Moment ja fast noch einfach, da neben der Xbox nur Sonys PlayStation 2 als direkter Konkurrent gegenübersteht. Die preislich günstigere Konsole bietet für 333 Euro eine wesentlich größere Spielvielfalt, und neue Top-Titel wie „Metal Gear Solid 2“ werden sogar in günstigen Bundle-Paketen angeboten. Ab Mai sieht die Gefechtslage dann aber noch mal anders aus, da Nintendo mit ihrem neuen handlichen GameCube und einem Kampfpreis von 249 Euro den Videospielemarkt angreift.

Die nun erhältliche Xbox steht beim einfachen Blick auf ihre Leistungsdaten im Gegensatz zum äußerlichen Erscheinen gut da. Ein Falltest der Zeitschrift „Computer Bild“ bewies auch die solide Bauweise der Xbox, denn selbst einen Sturz aus 80 Zentimeter Höhe überstand das Gerät weitgehend unbeschadet. Ein weiteres, kleines aber nicht unwichtiges Detail wurde von den Microsoft-Designern beachtet: Mit gut drei Meter Länge erspart das Kabel des Xbox-Controllers jedem Benutzer das lästige Hervorziehen der Konsole. Und wenn jemand vom Sofa aus über das Kabel stolpert, sichert ein Stolperschutz am Controllerstecker Schlimmeres. Für Musikliebhaber bietet die Xbox mit der vorab eingebauten 8-Gigabyte-Festplatte einen neuen Spielaspekt, der gerade beim Genre der Snowboardsimulation Sinn macht. Eigene Musik-CDs können erstmals auf der Festplatte abgespeichert werden und dann als Soundtrack im jeweiligen Spiel zugeschaltet werden.

Als Maßstab für die Qualität einer Spielkonsole sollte aber nicht nur die Hardware herhalten, denn gerade die kommenden Spiele und Starttitel sind für den Endkonsumenten der wichtigste Mitspieler. Zum Grundpreis von 479 Euro muss der Kunde an der Ladentheke auch noch weitere Kosten einplanen. Ein weiterer Controller für Multiplayer-Spiele kostet 40 Euro, das „DVD Playback Kit“ 50 Euro. Um so wichtiger ist es, aus den gut zwanzig Starttiteln gerade die Spiele herauszugreifen, die wirklich ein neues Spielerlebnis mit sich bringen. Und da ist es Microsoft tatsächlich gelungen, einige Treffer zu landen.

Neben den auf dieser Seite empfohlenen Top-Titeln stehen weitere sechzehn Spiele zur Auswahl, von denen lediglich Spiele wie „Fusion Frenzy“ als qualitative Tiefflieger auffallen. Ein gutes Beispiel für eine gelungene Mischung aus Spielspaß und realistischer Darstellung ist dagegen „Rallisport Challenge“ vom schwedischen Entwickler Digital Illusions, bei der selbst Automuffel einen höheren Blutdruck verspüren. Während andere Titel erst einer gewissen Eingewöhnungszeit für Auto und Strecke bedürfen, spielt man in diesem Rallye-Titel direkt und problemlos. Zwar ist die Verschmutzung der Rallyewagen oder der Beifahrerkommentar in anderen Spielen besser gelöst, die mehr als gute Grafik der ganzen Fahrumgebung macht dies jedoch mehr als wett. Auch Spiele wie „Jet Set Radio Future“ (Sega) oder „Oddworld Munchs Odysee“ (Microsoft) beeindrucken durch ihr originelles Gameplay und sind dazu exklusive Xbox-Titel. Microsoft zufolge arbeiten weltweit 70 Entwicklerfirmen an insgesamt 150 weiteren Spielen, und dies dürfte in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass genügend Abwechslung entsteht.

X-Box-Spieletipps

Schneespuren

Bei dieser Snowboardsimulation kommen gleich drei Vorteile der Xbox zum Vorschein. Neben einem sehr offenen Spielkonzept inklusive neuer Highscore-Ideen lässt besonders die Grafik jeden Konkurrenztitel blass aussehen. Beim Tiefschnee funkeln die Eiskristalle und die Vegetation ist selbst aus der Nähe betrachtet mit allen Details nachgebildet. Auch die Gesamtdarstellung der Landschaft hat eine Blickperspektive, die so noch nie zu sehen war. Die Bewegungen der Snowboardfahrer enthalten Dutzende Variationen, die man selbst genau so schon in den Schnee gezeichnet hat. Im Unterschied zu manchen Xbox-Spielen, bei denen der Soundtrack nicht zu verändern ist, darf man die bereits enthaltenen 150 Songs abschalten und seinen eigenen Soundtrack zuschalten. Allein diese Spielfreiheit erlaubt es nun, wie auf der realen Schneepiste die eigene Musik für die Fahrt mit kilometerlangen Spuren zu ziehen. wild

Amped, Microsoft Preis: 69 Euro

Auto-Anarchie

Fahrsimulationen gehören zum Pflichtprogramm des Videospielgenres. Für die Xbox dachte sich der japanische Entwickler Bunkasha deshalb eine unterhaltsame Variation aus, die im engen Zusammenhang zu den grafischen Möglichkeiten der grünlich schimmernden Konsole steht. Der Spieler wählt am Anfang die Rolle zweier Hong Kong-Polizisten oder zweier Spione namens Ho und Chang. Im Kampf gegen die japanische Mafia werden Yakuza-Wagen mit diversen Fahrzeugen verfolgt, und je nach Level gilt es, dabei noch Aufgaben wie Beweisfotoaufnahme oder Rettungseinsatz durchzuführen. Mit gerade mal zwanzig Aufträgen ist die Spieldauer dieser automobilen Anarchie leider etwas kurz geraten, aber die Karambolage-Sequenzen sowie die schnellen Verfolgungsjagden durch das dichte Stadtchaos sind einfach ein höllischer Spaß und funktionieren durch die erstaunliche Grafik wie Popkorn für die Augen. wild

Wreckless, Activision. Preis: 69 Euro

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