Zeitung Heute : Kampf um den Kuchen

Der Tagesspiegel

Insolvenz der Kirch-Gruppe hin, Ecclestone her! Was für die Formel-1-Teams zählt, sind die nackten Zahlen. Und viele von ihnen haben ohnehin größere Ausgaben als Einnahmen. Dass Kirch der Pleitegeier plagt, quittierte Max Mosley daher mit englischer Gleichgültigkeit. Der Präsident des Internationalen Automobilverbandes war es gar leid, immer wieder nach den möglichen, desaströsen Auswirkungen auf die Formel 1 angesprochen zu werden. Mit gewohnt nüchterner Klarheit präzisierte daher Mosley: „Das Verhältnis Kirch und die Formel 1 ist anders gelagert als das zwischen Kirch und der Bundesliga. Während die Bundesligaklubs Kirchs Geld zum Überleben brauchen, braucht Kirch das Geld aus der Formel 1!“ Negative Auswirkungen, wie auch immer geartet, seien daher für die Formel 1 nicht zu erwarten.

Die Bosse aller Formel-1- Teams sehen indes Kirchs Insolvenz als willkommene Gelegenheit, ein größeres Stück vom Finanzkuchen abzubekommen. Derzeit liegt ihr Anteil bei 47 Prozent. 53% aus den Erlösen des Formel-1-Geschäftes kassiert die „Slec“, an der Kirch und Ecclestone beteiligt sind. Deshalb ist Handlungsbedarf gefragt. Das bestätigte auch der Geschäftsführer der Fiat-Gruppe, Paolo Cantarella. „Die Ereignisse der letzten Tage haben bestätigt, dass wir so schnell wie möglich handeln müssen“, sagte Cantarella, der auch für die Gesellschaft „GPWC“ sprach.

Mit dieser neu gegründeten Gesellschaft wollen die Teams ab 2008 die Formel 1 in eigener Regie vermarkten. Zusammen mit Jürgen Hubbert (Daimler-Chrysler), Burkhard Goeschel (BMW), Wolfgang Reitzle (Ford) und Patrick Faure (Renault) hatte Cantarella in einer Krisensitzung über das Vorgehen beraten. Eine Lösung sei bald zu erwarten. Die Banken, die die Insolvenz der Kirch-Gruppe abwickeln, sind vorstellig geworden. Cantarellas: „Wir werden prüfen, ob ihr Angebot von Interesse ist."

Aber auch Ecclestone ist neben den Autoherstellern am Kauf der Vermarktungsrechte interessiert. Er kündigte in Imola an, dass er mit den entscheidenden Kirch-Leuten – oder denen, die das Unternehmen verwalten – über die Zukunft der Formel 1 reden werde. Ebenso mit den Gläubigerbanken. Verständnis zeigte er für die Ziele der „GPWC“, die er unter großem Erfolgsdruck sieht., weil sie ständig gute Resultate vorweisen müssen. v.d.d.

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